Arbeit

Auch Minderheitenschulen wären von Streiks betroffen

Jon Thulstrup
Jon Thulstrup Online-Redaktion
Kopenhagen/Nordschleswig
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Öffentliche Angestellte demonstrieren in Kopenhagen. Foto: Scanpix

Nachdem am vergangenen Freitag die Tarifverhandlungen bei den Staatsangestellten, am Montag die der kommunalen Mitarbeiter und am Dienstag Experten zufolge die Verhandlungen der Regionsangestellten zusammenbrachen, steht Dänemark erneut kurz vor einem Großkonflikt. Doch was bedeutet das für den einzelnen Bürger?

Die Tarifverhandlungen der öffentlichen Angestellten stehen auf der Kippe. Nachdem am Freitag die Verhandlungen der Staatsangestellten zusammenbrachen, machten ihnen die kommunalen Angestellten das Kunststück nach und fanden zusammen mit dem Verband der Kommunen KL (Kommunernes Landsforening) keine Lösung.

Am Dienstag sitzen nun die Mitarbeiter in den Regionen am Verhandlungstisch. Doch auch hier stehen die Chancen einer Einigung eher schlecht, betont die Chefverhandlerin der Angestellten, Grete Christensen. „Normalerweise folgen die Regionen den Grundbedingungen des kommunalen Plans“, sagt sie.

Auch laut Bent Greve, Arbeitsmarktforscher an der Uni Roskilde, stehen die Chancen einer Lösung schlecht. „Die staatlichen und kommunalen Verhandlungen sind zusammengebrochen. Deshalb werden auch die Verhandlungspartner der Regionen sich nicht einig werden, weil sie nicht alleinstehen können“, so Greve zur Nachrichtenagentur Ritzau. Ihm zufolge werden die Verhandlungen zwischen dem staatlichen, kommunalen und regionalen Bereich traditionell koordiniert – obwohl diese getrennt sind.

Im schlimmsten Falle können sich die Tarifverhandlungen zu einem Großkonflikt zuspitzen.

Ein Überblick:

Schulen und Kindergärten

Im Falle eines Großkonfliktes werden Schulen und Kindergärten, wie beim Lockout 2013, geschlossen.

Auch die Schulen und Institutionen der Minderheit werden betroffen sein. „Wir werden im schlimmsten Falle auch wieder davon betroffen sein. Es gibt keinen Unterschied zu den dänischen Schulen“, sagt der Schulrat des Deutschen Schul- und Sprachvereins (DSSV), Claus Diedrichsen. Ein Szenario wie 2013 möchte er gerne umgehen, „doch wir haben keinen Einfluss auf die Verhandlungen. Wir müssen einfach abwarten“, so Diedrichsen, denn: „Streiks sind punktuell bedingt. Wir können erst reagieren, wenn es soweit ist.“

Beim Lockout 2013 hatte man ein Notprogramm in der Kinderbetreuung erstellt. Darüber werde man sich auch Gedanken machen, wenn es soweit kommen sollte, meint der DSSV-Schulrat.

Noch gibt es Diedrichsen zufolge aber keinen Grund zur Panik. „Aber wir wissen, was auf uns zukommen könnte – und das ist kein schöner Gedanke“, betont er.

Krankenhäuser

In den Krankenhäusern wird eine Notbereitschaft die Intensivstationen besetzen, so dass Patienten im Notfall auch behandelt werden.

Geplante Operationen, wie beispielsweise eine Knieoperation, müssen verschoben werden. Sollte ein Großkonflikt Realität werden und dieser beispielsweise 14 Tage dauern, dann können Monate vergehen, bevor die Krankenhäuser ihren normalen Betrieb wieder aufnehmen.

Polizei

Polizisten sind Beamte und sind von Streiks ausgeschlossen. Doch andere Abteilungen würden von einem Konflikt betroffen werden, darunter die Verwaltungsangestellten, die Geschwindigkeitskontrollen (ATK) und die zivilen Fahrprüfungen.

Sachbearbeitungen von Diebstahl und dergleichen werden mehr Zeit beanspruchen., berichtet JydskeVestkysten.

Bürgerservice

Auch der Bürgerservice könnte in einem gewissen Umfang von einem Konflikt betroffen werden. Jedoch haben nicht alle Angestellte im Bürgeramt einen Tarifvertrag mit einer der betroffenen Gewerkschaften. Dennoch könnte die Ausstellung von Führerescheinen, Pässen und die Auszahlung von finanzieller Unterstützung, wie Wohngeld oder Mutterschaftsgeld, verzögern.

Altenpflege

Die Altenpfleger und die Heimpfleger würden von einem Konflikt nicht betroffen sein. Dort geht es um das Leben und die Gesundheit älterer Menschen, die auf die Hilfe der Pfleger angewiesen sind. In der Öffentlichkeit würde ein Streik in dem Bereich nicht auf Zustimmung stoßen, weshalb die Gewerkschaften dort nicht viel erreichen würden.

Öffentlicher Verkehr

Ein Großkonflikt könnte auch den öffentlichen Verkehr negativ beeinflussen. Dabei kommt es darauf an, wie viele der Angestellten in den betroffenen Gewerkschaften organisiert sind. Die Züge werden trotz eines Konfliktes weiterhin fahren können (auf Sparflamme), weil bei der dänischen Staatsbahn einige Angestellte einen Beamtenstatus haben und somit nicht streiken.

Der Busbetrieb wird kaum betroffen sein, weil dieser von privaten Unternehmen betrieben wird.

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