Vor dem Werner-Rennen

„Bei die Kupplung müssen wir auch noch bei“

Kay Müller, SHZ
Flensburg
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Rötger Feldmann
Rötger Feldmann auf seinem „Red Porsche Killer“. Foto: dpa

Interview mit Rötger Feldmann: Der 67-Jährige über den Kult um seine Comic-Figur, sein neues Buch, und wie er das Rennen im nächsten Jahr gewinnen will.

Moin, was macht das Moped?

Meinst Du den Red-Porsche-Killer? Der steht noch in der Kiste verpackt, bereit um zu meinem Bruder Andi zu kommen.

Läuft das Ding?

Da muss man schon einiges machen, um das Teil in Gang zu kriegen. Erstmal Benzin und Öl rein und dann mit einem Lkw-Anlasser starten. Das klappt aber. Allerdings wollen wir noch einiges optimieren.

Was denn?

Die Lenkerhaltung muss neu, der Sitz nach vorne, Getriebe müssen wir machen. Das muss abgehen. Und ich will, dass die Gänge mit Luftdruck geschaltet werden, damit man sich nicht hinten verhakelt mit den Füßen...

...so wie beim letzten Mal 1988 als Du gegen Holgi verloren hast, weil Du Dich verschaltet hast...

...ja, ist ja gut jetzt. Das habe ich schon tausendmal erzählt, aber die Menschen glauben mir nicht. Nur weil der Flaggenheini am Start gerufen hat: „Drück drauf.“ Da habe ich eben draufgedrückt, nur weil der Idiot das gesagt hat – und war im zweiten Gang. Ich hätte aber den Fuß anheben und in den ersten Gang hochschalten müssen. Und später habe ich dann nicht mehr geschnallt, dass ich schon im vierten bin, weil ich ja falsch losgefahren bin. Und dann habe ich immer gekuppelt und geschaltet, aber da ging nix mehr. Kupplung – vierter Gang, Kupplung – vierter Gang, Kupplung – vierter Gang. Verstehst Du?

Vollkommen.

Ja und dann bin ich nur noch gerollt und der Porsche an mir vorbei.

Aber eigentlich war dein Motorrad schneller.

Logisch.

Dann musst Du ja gar nicht mehr viel machen.

Na ja, Holgi hat ja schon gesagt, dass er seinen Porsche auf 600 PS aufmöbeln will. Mein Bruder meint aber, dass das gar nicht geht. Und ich denke, das ist alles nur Luftstrullerei. Und ein neuer Motor wäre gegen die Regeln. Dann kann ich mir ja auch ’ne Sechs-Zylinder-Horex nehmen und ihn damit abledern.

Also soll alles sein wie vor 30 Jahren?

Ja, sein Scheiß-911er gegen meine Scheiß-Horex. Deswegen heißt das Motto ja auch: Werner kommt nach Hause.

Holgi ist über 70, Du auch schon im Rentenalter, seid Ihr nicht langsam zu alt für den Scheiß?

Das glaube ich manchmal auch. Aber die Rolling Stones spielen ja auch noch – warum soll ich da nicht Motorrad fahren?

Was macht dich sicher, dass Du diesmal gewinnst?

Gar nichts. Guck ma’: Holgi, der setzt sich in seine Scheiß-Karre, dreht den Schlüssel und ballert los – das kann jeder. Bei mir kann viel mehr passieren, vier Motoren in Reihe, wenn Du zu viel Gas gibst, rutschen die Riemen runter, dann musst Du den Leerlauf finden, dann wird die Kupplung heiß. Dabei fällt mir ein, bei die Kupplung müssen wir auch noch bei...

Dann müsst Ihr ja mal bald anfangen zu schrauben.

Klar, sagt Andi auch. Aber ich habe ja keine Zeit, ich muss ja noch mein Buch fertig kriegen.

Nach 14 Jahren wieder ein neues Werner-Buch?

Ja, soll im März fertig sein.

Wie heißt es und worum geht es?

Willst Du wissen, ne?

Ja.

Verrat ich aber nicht.

Gar nix?

Na gut. Ich habe auch wieder ein paar kürzere Sachen gemacht, nicht nur eine Geschichte. Da sind auch nicht nur technisch super ausgefeilte Sachen drin, weil manchmal der mit Bleistift gekritzelte Strich einfach geiler ist.

Warum funktioniert eigentlich der Werner-Kult immer noch?

Vielleicht, weil es die Probleme immer noch gibt, die wir früher hatten, mit Chefs und Kollegen und Behörden-Schikanen. Die haben sich ja nicht gebessert. Und vielleicht ist auch noch so ein bisschen Revoluzzertum da.

Klappt das auch bei jüngeren Leuten oder sind die Fans mit Dir älter geworden?

Die Jungen wirbeln lieber mit ihrem Handy-Limit rum, das reicht ihnen. Wir wollten damals raus in die Welt mit einem eigenen Fahrzeug. Unsere Freiheit war das Moped – das gibt’s ja gar nicht mehr. Heute will keiner mehr in Öl baden.

Aber das Rennen soll doch auch Fest für die ganze Familie werden, oder?

Logisch, es kommen ja auch kleine Stifte zu meinen Autogrammstunden, die durch ihre Eltern infiziert worden sind und die Filme kennen. Und in Hartenholm gibt es ja auch alles – vom Seifenkistenrennen bis zu Dragster-Show. Und die Musik soll auch für die Jungen sein. Werner ist zeitlos.

149 Euro für eine Karte ist aber ’ne Menge Holz.

Stimmt, aber andere Sachen kosten auch Kohle. Und in Hartenholm kriegst Du dafür inklusive Warmlöt-Tag vier Tage volles Programm. Für das Angebot finde ich den Preis angemessen.

Letztes Mal waren 200.000 Besucher da. Mit wie viel rechnest Du dieses Mal?

Ich kann ja gar nicht rechnen. Wünschen würde ich mir aber so 50.000.

1988 haben sich viele Anwohner beschwert, dass zu viel Dreck liegen geblieben ist. Wie wollt Ihr das diesmal verhindern?

Stimmt letztes Mal war das da hinterher ’ne braune Matsche mit viel Müll. Das räumen wir diesmal eben wech.

Und vorher räumst Du Holgi wech?

Ich hoffe. In dem Moment wo Du auf dem Bock sitzt und die Motoren vibrieren, dann musst Du nur durchziehen – und ab dafür.

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