Leitartikel

Der Lange Weg

Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Simone Lange
Simone Lange bei einem Besuch im Haus Nordschleswig im September 2016. Foto: Cornelius von Tiedemann

In Dänemark wird die Regierungsbildung in Deutschland aufmerksam verfolgt. Jetzt ist es aus Sicht des Grenzlandes besonders spannend geworden, meint Cornelius von Tiedemann – denn mit Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange hat sich eine Mitstreiterin im deutsch-dänischen Brückenbau in den Machtkampf innerhalb der SPD eingeschaltet.

In Deutschland sorgt derzeit eine Politikerin für Aufsehen, die uns hier im Grenzland bestens bekannt ist: Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange schickt sich an, ins Rennen um den SPD-Vorsitz einzugreifen.

Mit Lange greift eine Frau nach einem der wichtigsten Posten in der deutschen Politik, die sich immer wieder laut- und meinungsstark zu deutsch-dänischen Themen geäußert hat – auch und vor allem zu den dänischen Grenzkontrollen, die die ehemalige Beamtin der Kriminalpolizei teils heftig kritisierte.

In der SPD-Spitze, der auch der schleswig-holsteinische SPD-Chef Ralf Stegner angehört, ist die Freude über die Idee der Flensburgerin naturgemäß verhalten. Nach den Turbulenzen der vergangenen Tage und Wochen ist der Wunsch im Berliner Willy-Brandt-Haus groß, sich in Ruhe konsolidieren zu können. Lange wiederum ist der Meinung, dass genau das nicht das ist, was die Parteibasis sich wünscht. Wer auch immer recht hat: Sollte Lange, die ihre Kandidatur durchaus ernst meint, überraschend tatsächlich durch eine von ihr vorgeschlagene Basis-Wahl an die Spitze der SPD gelangen, wäre das aus nordschleswigscher Sicht, ganz egal, durch welche parteipolitisch oder ideologisch gefärbte Brille betrachtet, ein beachtenswertes Novum. Eine Mitstreiterin im deutsch-dänischen Brückenbau säße plötzlich in entscheidender Position in der Schaltzentrale der Macht in Berlin.

Angewiesen wäre die deutsche Minderheit darauf nicht, pflegt sie doch zahlreiche gute Beziehungen zu Politikern in allen größeren demokratischen Parteien (und Parteiflügeln) Deutschlands. Aber es wäre schon interessant zu sehen, welche Impulse Simone Lange in der Bundespolitik aus ihrer deutsch-dänischen Erfahrung heraus setzen würde. Aller Kritik an dänischen politischen Entscheidungen zum Trotz gab sie sich schließlich immer wieder als große Freundin dänischer Lebensart – und des dänischen Gesellschaftssystems zu erkennen.

Aus dem Vorstand der Region Sønderjylland-Schleswig direkt an die SPD-Spitze? Aus nordschleswigscher Warte ist die Bundespolitik jetzt nicht nur haushaltspolitisch gesehen spannend wie selten!

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