Gesundheitswesen

Künstliche Befruchtung: Wohnort entscheidet, ob der BMI stimmt

jt
Esbjerg/Kopenhagen
Zuletzt aktualisiert um:
Foto: dpa

In Sachen künstlicher Befruchtung gibt es in den fünf Regionen Dänemarks große Unterschiede in der Festsetzung der BMI-Obergrenze. Patienten fühlen sich ungerecht behandelt.

Sollten Paare beim Kinderwunsch Hilfe benötigen, dann sollten sie sich vorher erst wiegen lassen und ihren BMI-Wert (Body Mass Index) ausrechnen, rät der Nachrichtensender DR Syd. Die öffentlichen Kinderwunsch-Kliniken der Regionen (fertilitetsklinikker) haben deutlich unterschiedliche BMI-Obergrenzen für eine künstliche Befruchtung.

Helene Jørgensen aus Esbjerg hat dies bereits am eigenen Leib zu spüren bekommen, als sie eine künstliche Befruchtung in Esbjerg durchführen wollte. Zum damaligen Zeitpunkt wog die 37-jährige Jørgensen 124 Kilogramm und hatte einen BMI-Wert von über 35 – weshalb sie in der Region Süddänemark keine Behandlung bekam.

Anderer BMI-Wert auf Seeland

Doch würde sie in der Region Seeland wohnen, dann wäre ihr BMI-Wert kein Hindernis für eine Behandlung, denn in dort liegt die BMI-Obergrenze bei 40. „Das ist natürlich unglaublich ungerecht“, sagt Jørgensen zu DR. Sie meint, dass für alle Bürger die gleichen Regeln gelten sollten – egal in welcher Region sie wohnen.

„Es ist immerhin ein deutlicher Kilogramm-Unterschied zwischen einen BMI-Wert von 35 und 40. Bei mir waren es 20 Kilogramm – und es dauert lange so viele Kilogramm abzunehmen“, so Jørgensen.

2013 hatten sich die Fertilitätskliniken in Dänemark auf gemeinsame Richtlinien verständigt. Doch nun zeigt sich, dass diese Richtlinien verschieden umgesetzt wurden. Und dass ist völlig unverständlich, meint der Oberarzt und einer der Verantwortlichen für die gemeinsamen Richtlinien, Ulrik Schiøler Kesmodel. „Meiner Meinung nach sollte man in einem kleinen Land wie Dänemark überall die gleiche Behandlung bekommen“, so Kesmodel zu DR.

In der Kinderwunsch-Klinik am Universitätsklinikum in Odense hat man Verständnis für die aufkommende Kritik. „Das ist natürlich eine unglückliche Sache und ich kann verstehen, wenn einige Patienten sich ungerecht behandelt fühlen“, so Klinikleiter Jens Fedder. Er meint, dass die Gesundheitsbehörde präzisere Richtlinien vorlegen sollte.

Mehr lesen