Halk/Hadersleben - 26. Juli 2010 - von Karin Friedrichsen
Kunst als Quell der Lebensfreude Kostproben ihres Könnens zeigte Maren Egtved vor Kurzem im ersten Stock des Kulturhauses Bispen. Die farbenfrohen Aquarelle und fantasievollen Ikonenbilder schmückten die Wände von Café und Aktivitätshaus. Zu Hause, am Halkvej 108, hat die 64-Jährige eine eigene Galerie, in der sie ihre Kunst vorstellt. Der Galerie angeschlossen ist eine kleine Werkstatt, in der Maren Egtved unterrichtet und Kunsttherapie ausübt. »Bei mir muss immer was los sein. Ich kann nicht untätig herumsitzen«, sagt Maren Egtved, als sie nach einer Kurzführung durch die Galerie am Tisch der kleinen Küche Kaffee und Kuchen anbietet. In der angrenzenden Werkstatt lassen sich die vier Kursteilnehmer nicht bei ihrer Arbeit stören: Das Ehepaar Christensen aus Sommerstedt und die neunjährige Emma mit ihrer Großmutter Jette Hundevadt legen an diesem Nachmittag letzte Hand an ihre neuesten Ikonenbilder. Von ihrem Platz am Küchentisch aus verfolgt Maren Egtved ihre Schüler: »Sie haben ihre Arbeit schon toll im Griff«, nickt die Halkerin anerkennend. Mit ihren 64 Jahren hätte Maren Egtved eigentlich die Möglichkeit, sich aus dem Berufsleben zurückzuziehen. Davon will sie indes nichs wissen. Außer in ihrem klitzekleinen Friseursalon Freunden und Bekannten einen Haarschnitt zu verpassen und ihren Kunstprojekten nachzugehen, hat Maren Egtved noch etliche andere Eisen im Feuer. Im Haderslebener Hafen liegt das 26 Fuß große Motorboot, mit dem sie gern längere Fahrten unternimmt. Sie beschäftigt sich zudem mit alternativer Medizin und Heilpraktiken. Maren Egtved ist in Halk aufgewachsen. In jungen Jahren bildete sie sich in einem Salon an der Großen Straße in Hadersleben zur Friseurin aus. Nach der Heirat mit Poul-Erik, der gelernter Schlachter ist, wohnte das Paar zunächst in Haistrup und in Kolding. Vor etwa 35 Jahren erwarb das Paar das Grundstück am Halkvej, um das Haus, das seitdem ihr Zuhause ist, zu bauen. Maren Egtved eröffnete zeitgleich einen Fri-seursalon in Ösby. »Marens Salon«, wie die tatkräftige 64-Jährige ihren Salon taufte, hatte viele Kunden. Bald fing Maren Egtved an, neben dem Friseurbetrieb Damenmode, Garne und Wolle zu verkaufen. »Ich mag es, wenn es etwas zu tun gibt«, lacht die Halkerin. Zu tun gab es für sie dann auch wahrlich genug! Als die beiden ältesten Töchter Jeanette und Lonnie aus dem Gröbsten heraus waren, meldete 1982 Sohn Kenn seine Ankunft. Als Kenn eingeschult wurde, zeigte es sich, dass es am praktischsten war, dass Mutter Maren ihren Salon an den Halkvej verlegte. Die Kunden blieben der quirligen Frau mit den vielen Ideen treu. Parallel zu ihrer Arbeit hat Maren Egtved etliche Kurse zum Thema alternative Heilmethoden belegt. Nachdem eines ihrer Enkel mit einem Hautleiden geboren wurde, nahm ihr Interesse für alternative Heilmethoden zu. Maren Egtved hat Ausbildungen in verschiedenen Massagetechniken, Irisanalyse und Ernährungsberatung gemacht. Darüber hinaus hat sie sich intensiv mit Kunsttherapie beschäftigt. Diese Art der Therapie spricht sie besonders an: Durch die Kunst kann sie ihre eigene Lebensfreude weitervermitteln und dadurch dem anderen Menschen ermöglichen, traumatische Erlebnisse zu verdrängen und sich neue Chancen im Leben zu erschließen. Die meisten ihrer Kunstschüler kommen nicht, um eine Therapie zu durchlaufen: Sie möchten sich von Maren, die übrigens ihre eigenen Malfähigkeiten von dem namhaften Aarösunder Kunstmaler Knud Due erlernt hat, in puncto Malen inspirieren und weiterbilden lassen. Sie habe jedoch auch einige jüngere Schüler unterrichtet und mit Hilfe von Kunsttherapie bei der Lösung von Problemen weiterhelfen können. »Maren hat viel Einfühlungsvermögen«, wirft Jette Hundevadt ein. Sie kommt regelmäßig allein und gemeinsam mit ihrer achtjährigen Enkelin Emma in Marens Galerie. Auch als die Galerie noch an der Haderslebener Süderbrücke lag, gehörte Jette Hundevadt schon zur Stammkundschaft. »Ursprünglich war die Galerie in einem Teil der Autowerkstatt meines Sohnes an der Süderbrücke in Hadersleben untergebracht, berichtet Egtved. Als Kenn, der in Zusammenarbeit mit polnischen Kunsthandwerkern Airbrushbilder auf Autos, Boote und Motorräder zaubert, seine Werkstatt erweiterte, zog sich Mutter Maren im Spätherbst letzten Jahres in die eigenen vier Wände zurück. Jette Hundevadt und Emma nehmen die längere Anfahrt gern in Kauf: »Es macht wirklich viel Spaß hier in der Werkstatt. Ich komme oft und habe auch schon ab und an eine Klassenkameradin mitgebracht«, berichtet Emma Iben. Zu Weihnachten, so die stolze Großmutter, habe ihre Enkelin geschickt Geschenke für die ganze Familie gebastelt und gemalt: »Emma ist so tüchtig«, sagt Jette Hundevadt fast schon etwas neidisch. Das Sommerstedter Ehepaar hat auch alle Hände voll zu tun. Der 57-jährige Børge und seine 55-jährige Frau Ulla haben Maren Egtved vor einigen Jahren, als diese in Heilsminde an einer Hobbyausstellung teilnahm, kennengelernt. Inzwischen hat sich das Paar nicht nur mit Maren, sondern auch mit Paul-Erik Egtved angefreundet. In die Werkstatt kommen die Sommerstedter, um ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. Gleichzeitig fachsimpeln Ulla, Børge und Maren über alternative Behandlungsmethoden. Ulla und Børge Christensen healen. Das Paar träumt davon, einen Resthof zu kaufen, um sich dort mit einer alternativen Klinik einzurichten. »Børge und ich sind ein ungewöhnliches Paar. Wir teilen alle unsere Freizeitinteressen«, lacht Ulla Christensen. Børge Christensen ist Schreiner. Ulla Christensen leitet die von ihrer »Ziehtochter«, Folketingsmitglied und Stadtratspolitikerin für Dansk Folkeparti, Anita Christensen, gegründeten Reinmachefirma. »Anita hat mit ihrer politischen Arbeit auf Christiansborg und als Mitglied des Haderslebener Stadtrates wirklich genug zu tun. Da bleibt ihr keine Zeit für die Firma«, meint Ulla Christensen. Für Maren Egtved ist das Miteinander zu ihren Kursteilnehmern ein ewiger Quell, aus dem sie ihre Kraft schöpft. »Ich habe in meinem Leben auch so einige Probleme lösen müssen. Inzwischen habe ich Ruhe in mir selbst und den Glauben an Gott gefunden«, versichert sie. Gerade diese Ruhe ist es, die sie versucht weiterzumitteln, damit ihre Mitmenschen ein ausgeglichenes und harmonisches Dasein führen können. |