Duisburg - 25. Juli 2010 - von web-dpa-pl.
19 Tote und 340 Verletzte bei Loveparade in Duisburg
Bei einer Massenpanik auf der Loveparade in Duisburg sind Gestern am frühen Abend 19 Menschen ums Leben gekommen - 16 vor Ort, drei im Krankenhaus. Mehrere Besucher der Veranstaltung mussten wiederbelebt werden, über 340 wurden verletzt. Zunächst hatte die Polizei von zehn Toten gesprochen. Zahlreiche Menschen mussten reanimiert werden.
Das Drama ereignete sich in einem Tunnel zum Veranstaltungsgelände am ehemaligen Güterbahnhof. Zum Unglückszeitpunkt soll starkes Gedränge im Tunnel geherrscht haben, weil der Zugang zu dem eingezäunten Gelände wegen Überfüllung geschlossen worden war. Dadurch kam es Augenzeugenberichten zufolge zu großem Gedränge und Panik. Menschen seien zu Tode getrampelt worden.
Nach dem tragischen Zwischenfall gab die Polizei Hinweise an die Teilnehmer und bat sie, in Richtung Hauptbahnhof zurückzugehen. Zahlreiche Raver begaben sich auf die Gleise - der Zugverkehr im Bahnhof musste deshalb gestoppt werden. Die benachbarte A59 wurde für den Verkehr gesperrt und als Rettungsweg eingerichtet. Zur Verstärkung wurden Rettungskräfte aus ganz NRW, Rheinland-Pfalz und Niedersachen angefordert.
Laut ARD waren zwischenzeitlich die Handynetze zusammengebrochen, weil Angehörige versuchten, Loveparade-Teilnehmer zu erreichen. Mütter und Väter hätten sich auf den Weg nach Duisburg gemacht.
Rund 1,4 Millionen Besucher waren zum Veranstaltungsgelände geströmt. Laut Stadtverwaltung entschloss sich der Krisenstab, aus Sicherheitsgründen die Loveparade nicht abzubrechen. Die Notausgänge des Geländes wurden aber geöffnet. 14 Hundertschaften der Polizei waren im Einsatz. 120 Busse wurden geordert, die die Besucher nach Hause bringen sollten. Die Polizei richtete eine Notrufnummer unter 0203-94000 ein.
Die Loveparade, die früher in Berlin stattfand, hatte vor drei Jahren in Essen ihre Premiere im Ruhrgebiet erlebt. Vor zwei Jahren gastierte sie in Dortmund. Im vergangenen Jahr war die in Bochum geplante Loveparade abgesagt worden, da die Stadt den Besucherandrang nicht bewältigen konnte.
Der Loveparade-Gründer Dr. Motte hat den Veranstaltern in Duisburg einen schweren Management-Fehler vorgeworfen. "Die Veranstalter sind schuld", sagte er dem "Berliner Kurier". Es sei ein Skandal, die Menschen nur durch einen einzigen Zugang auf das Gelände am alten Güterbahnhof zu lassen. Dr. Motte warf den Veranstaltern "reine Profitgier" vor. "Da ging es doch nur ums Geldmachen. Die Veranstalter haben nicht das geringste Verantwortungsgefühl für die Menschen gezeigt." Er sprach den Familien der 15 Toten und den Verletzten sein Mitgefühl aus.
Das Gelände in Duisburg war für die erwarteten Besucherzahlen möglicherweise viel zu klein. Ein Augenzeuge, der sich selbst in dem Unglückstunnel befunden hatte, sagte im Nachrichtensender n-tv, es habe kein Entrinnen gegeben. Am Ausgang des Tunnels sei das Gelände abgesperrt gewesen, und von hinten seien immer mehr Menschen nachgekommen. Das Areal sei eigentlich nur für 350.000 Menschen ausgelegt. Von den anderen Loveparaden wisse man aber, dass bis zu eine Million Menschen kommen.