Sonderburg/Sønderborg - 13. Juli 2012 - von Ruth Nielsen
Gesundheitszentrum ist unbeliebt Standort der früheren Kløvermark-Schule wird nachträglich behindertengerecht aufgerüstet  |  |
| Für Rollstuhlfahrer uneinnehmbar: die Stufen zum Trainingsraum 2. Foto: Ruth Nielsen |  |
| „Ich warte nur darauf, ein Knöllchen zu bekommen.“ Diesen doch merkwürdigen Wunsch äußerte Bente Rey, mehrfach behindert und im Rollstuhl sitzend, am Gesundheitscenter an der Grundtvigs Allé 150. Und das ist bei Behinderten nicht „populär“, weiß Bente Rey. Beim Parken fangen die Probleme schon an: Es gibt keine Behindertenparkplätze für größere Autos wie Kleintransporter. Und sollte sie in den Genuss von kostenlosen Trainingsstunden kommen, kann sie z. B. nicht in den Trainingssaal kommen, denn Treppen versperren ihren Weg. Und sollte sie über den Notausgang mit Rampe Einlass gefunden haben und sie irgendwann mal ein menschlicehs Bedürfnis verspüren, muss sie warten, bis zu Hause ist, denn behindertenfreundliche Toiletten sind Fehlanzeige. Bente Rey denkt nicht nur an Gehbehinderte, sondern auch an Blinde und Schwerhörige. „Blinde sind hier verloren“, urteilt sie. Sie regt Markierungen auf dem Fußboden an, die Blinde aufmerksam machen auf Richtungsänderungen. Schwerhörige hätten es ebenfalls schwer, „die Akustik ist unter aller Kritik. Es gibt nicht mal 'telelsynge'. Deshalb tagen wir hier auch nicht mehr“, so das Mitglied der örtlichen Behindertenorganisation. Ihre Äußerungen macht sie gegenüber der Abteilungsleiterin Trine Plougmann und Jan Gjerlevsen, Leiter des Bauamtes. Der Stadtrat hat nämlich 0,4 Millionen Kronen bewilligt für die behindertengerechte Aufrüstung des Gesundheitszentrums, das, wie bekannt sein dürfte, in der früheren Kløvermark-Schule untergebracht ist, erbaut in den 1970er Jahren. Eine eigens dafür eingerichtete Arbeitsgruppe befasst sich mit der „Zugänglichkeit“ kommunaler wie privater Gebäude, Straßen und Wege. Grundlage sind Gesetze, die sich in den vergangenen Jahren verschärft haben. Tharben Hansen, Vorsitzender des lokalen Behindertenrates, moniert, dass bei Bauprojekten meist erst bei Fertigstellung an Behinderte gedacht werde. Würde das sofort getan, könnte der Bauherr viel Geld sparen. Dazu hat Bente Rey ein Beispiel: Da baue die Kommune ein neues „Eishaus“ am Hafen, das aber nicht behindertengerecht sei. Dank eines Briefes ihrerseits sei nachgerüstet worden, nun gebe es zumindest ein Geländer. Einen kleinen Wermutstropfen gießt Jan Gjerlevsen ein. Bei privaten Gebäuden lasse sich wenig ausrichten: Denn erst wenn sich die Nutzung des betreffenden Hauses ändert, könnten die neuen Gesetze angewandt werden. Umso erfreuter berichtet er von Treffen mit den Zuständigen für das Einkaufszentrum „Borgen“. Sowohl was die Akustik anbelangt als auch Zugänglichkeit werde das Haus behindertenfreundlich, selbst Bente Rey mit ihrem größeren Rollstuhl hätte Platz im Fahrstuhl. Gjerlevsen erzählt auch, dass die Renovierung der Innenstadt mit den Augen von Behinderten gesehen werde. „Was nützt es, wenn ich in der Fußgängerzone herumfahren kann, aber nicht in die Geschäfte komme“, spricht Bente Rey ein anderes Problem an. Sie fahre zum Einkaufen ins Storecenter Kolding. So ginge den Sonderburger Geschäften „Geld verloren“. Sie hätte sich mehrmals an Sønderborg Handel gewandt, bisher ohne Reaktion. Dabei hätte sie eine Idee, die kaum etwas kosten würde: behindertenfreundlicher Hintereingang direkt vom Parkplatz aus. Und Bente Rey moniert auch, dass das 2017-Sekretariat (EU-Kulturhauptstadt) nicht in diesen Bahnen gedacht hat: „Es wäre doch toll, wenn wir 2017 alle mit offenen Armen willkommen heißen könnten.“ Wenn es um Behindertenfreundlichkeit gehe, sei Sonderburg Mittelmaß im Vergleich zu Århus und Flensburg. |