Kopenhagen - 12. Juli 2012 - von Ruth Candussi
Hedegaard: CO2-Schleudern soll's an den Kragen gehen
Lektor der Technischen Uni Kopenhagen bezeichnet Technologie als nahezu ausgereift
Die dänische EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard legte gestern in Brüssel einen Vorschlag vor, wonach ab 2020 die Grenzwerte für den CO2-Ausstoß für Pkw und leichte Lieferwagen reduziert werden sollen. So soll, wird der Vorschlag angenommen, für Pkw der Grenzwert von max. 95 g pro gefahrenen km gelten. 2011 lag der Grenzwert bei 135,7 g. Für die europäischen Verbraucher bedeutet dies, dass sie jährlich 200 Mia. Kr. beim Treibstoffimport sparen. Der Besitzer eines Neuwagens spart für die Lebensdauer seines Fahrzeugs 20.000 Kronen.
„Das sind doch ganz offensichtliche Vorteile. Mit den neuen Grenzwerten schützen wir nicht nur das Klima, sondern reduzieren auch die Treibstoffkosten“, sieht es die Klimakommissarin. Gleichzeitig würden neue Arbeitsplätze geschaffen, indem in der europäischen Autoindustrie Innovation und Wettbewerbsfähigkeit vorangetrieben würden.
Bei den deutschen Autoherstellern allerdings hält sich die Begeisterung über den Vorschlag der dänischen Kommissarin in Grenzen. So soll laut Medienberichten der deutsche Industriekommissar Günther Oettinger versucht haben, den Vorschlag von Connie Hedegaard abzuschwächen, um den Interessen der deutschen Autoindustrie entgegenzukommen. Die FIAT-Fabriken dahingegen, die Kleinwagen produzieren, kritisieren, dass sie härter von den verschärften Regeln getroffen würden als Mercedes und BMW, gemessen an der Gewichtsklasse der Autos.
Doch dem sei nicht so, so Hedegaard, denn alle Automarken müssen in Prozent gemessen den CO2-Ausstoß gleichviel reduzieren, nämlich um 27 Prozent. D. h., dass bei großen Wagen der CO2-Ausstoß in Gramm gemessen mehr reduziert werden muss als bei kleinen.
Jesper Schramm, Lektor an der Technischen Uni Kopenhagen, erklärt, dass die erforderliche Technologie zur Schadstoffreduktion ohnehin nahezu ausgereift sei. „Bei der technologischen Entwicklung der letzten Jahre erfüllen viele Wagen bereits jetzt fast schon die angestrebten neuen Grenzwerte“, so Schramm.