13. November 2009 - von Siegfried Matlok
Leitartikel: Enkes TodViele Menschen – leider auch junge – begehen Selbstmord: Nach dem Freitod des deutschen Fußball-Nationaltorwarts Robert Enke, der weit über Fußball-Deutschland hinaus einen Schock auslöste, hat mitten im Leid für seine Frau, Familie und Freunde auch außerhalb des Fußballfeldes ein Nachdenken darüber eingesetzt, wie unsere Gesellschaft mit psychisch Kranken umgeht. Die Frau von Robert Enke hat mutig vor der Fernsehkamera darüber berichtet, wie ihr Mann unter Depressionen litt, wie er, der im Fußballtor ein Held war und als fast unbezwingbar galt, privat an sich und der Welt zweifelte, was ihn schließlich zu seiner tragischen Verzweiflungstat trieb.
Das Problem ist die Gesellschaftsfähigkeit dieser tückischen Krankheit: nicht darüber reden, sich nichts anmerken lassen, um bloß nicht als Versager aufzufallen. In Dänemark können wir uns darüber freuen, dass es in den letzten Jahren große Fortschritte in der Behandlung psychisch Kranker gegeben hat. Früher wurde alles versteckt und verborgen: Ein Beispiel war in den 50er Jahren der frühere sozialdemokratische Staatsminister Viggo Kampmann, der plötzlich wochenlang von der politischen Bildfläche verschwand und dann streng abgeschirmt von der Öffentlichkeit in damaligen Heilanstalten behandelt wurde. Willy Brandt als deutscher Bundeskanzler war ein ähnlicher Fall. Der Kanzler fiel periodenweise einfach aus, »Erkältung« lautete dafür die offizielle Begründung. In Dänemark haben Staat und Regionen (vor allem aber auch bereits die ehemaligen Ämter seit 1973) in den letzten Jahren viel Geld für die Verbesserung der Psychiatrie ausgegeben, aber fast noch wichtiger ist, dass es immer mehr prominente Leute gibt, die sich offen zu dieser/ihrer Krankheit bekennen. Besonders hervorzuheben ist auf diesem Gebiet der Einsatz des früheren sozialdemokratischen Staatsministers Poul Nyrup Rasmussen, dessen Tochter Selbstmord beging nach langwieriger psychischer Krankheit. Nyrup hat nun beschlossen, seine politische Laufbahn vorzeitig zu beenden, um in Vorträgen im ganzen Lande Aufklärungsarbeit darüber zu leisten, dass gesellschaftliche Tabus in diesen Fragen gebrochen werden müssen. Dabei gilt es, seinen Appell zu beachten, sowohl in den Familien als auch an den Arbeitsplätzen einem unangenehmen Gespräch nicht aus dem Wege zu gehen.
Deshalb sollte der Fall und Selbstmord des Robert Enke nicht nur verständlicherweise Mitleid auslösen, sondern unsere tägliche, aktive Bereitschaft erhöhen, diesen Menschen künftig mehr Beachtung zu geben – und zwar rechtzeitig! |