Hadersleben/Haderslev - 06. Juli 2012 - von Karin Friedrichsen
Frischer Wind in den X-Yacht Segeln Neue Eigentümerstruktur bei Dänemarks führender Werft / IT-Milliardär Ib Kunøe hat Aktienmehrheit übernommen: „Das wird meine neue Familie“ Der Eigentümer von Consolidated Holdings A/S, IT-Milliardär Ib Kunøe, investiert in Dänemarks führende Werft, X-Yacht in Hadersleben. Die Firmengründer Birger Hansen sowie die Brüder Niels und Lars Jeppesen haben 51 Prozent ihrer Aktienanteile an den 68-jährigen gebürtigen Apenrader verkauft. Der Wechsel der Inhaberführung wurde, wie berichtet, Mittwoch gegen Abend bekannt gegeben und soll, so das Unternehmen, Stabilität und Wachstum zum Wohle der Angestellten, der Kunden und der Zulieferer sichern. Die drei Firmengründer behalten somit 49 Prozent ihrer Anteile. Direktor Birger Hansen (64) wird sich im Laufe der kommenden sechs Monate schrittweise zurückziehen. Lars und Niels Jeppesen bleiben dem Manegment erhalten, während Niels Jeppesen (56) seinen Wohnsitz in England behält und weiterhin als Designer tätig sein wird, wird Lars Jeppesen (57) seine Position als geschäftsführender Direktor aufgeben. Lars Jeppesen wird sich anderen Führungsaufgaben zuwenden. Zu seinem Nachfolger ist Hans Viggaard benannt worden. Der 47-jährige Sonderburger ist gegenwärtig Vize-Präsident bei Danfoss in China und gilt als enthusiastischer und tüchtiger Segler. Die Werft ist ihm auch von seiner Tätigkeit als Vorstandsmitglied bestens bekannt. „Ich freue mich auf meine Zusammenarbeit mit X-Yacht. Es ist ein Vergnügen, dass wir in Dänemark einige der weltweit besten Boote weiterentwickeln können“, so der kommende Direktor. Gegenüber unserer Zeitung sagte Lars Jeppesen gestern, dass die Übernahme im Zuge eines Generationswechsels erfolge. Der Prozess habe im Frühjahr seinen Anfang genommen. Obwohl die Wirtschaftskrise auch am Marktsegment nicht spurlos vorbei gegangen sei, habe das Unternehmen laut Jeppesen „gegenwärtig keinen Bedarf an der Zuführung von neuem Kapital“. So sagte Lars Jeppesen, dass im laufenden Geschäftsjahr ein Umsatz von 250 Mio. Kronen erwartet werde. „In guten Jahren haben wir einen Umsatz von mehr als 300 Mio. Kronen verzeichnen können“, fügte Jeppesen hinzu, machte aber keine Angaben über die Verkaufssumme machte. Für ihn und seine Mitstreiter sei es wichtig gewesen einen Investor zu finden, der die Zukunft der Werft mit tHauptsitz in Hadersleben im Auge behält und sich auch, wie es bei Kunøe der Fall ist, für das Segeln interessiert. Von den 250 Mitarbeitern arbeiten 100 in Polen. X-Yacht wurde 1979 von Hansen und den Jeppesen Brüdern gegründet. Das erste Boot wurde nach dem Gründungsjahr benannt und im Laufe der Jahre sind etwa 5.000 Yachten gefertigt worden. Die Werft hat sich vor allem mit den Performance-Cruisern einen Namen machen können. In seiner Position als Vorsitzender des Vorstandes rechnet Investor Kunøe damit nach den Sommerferien viel Zeit in Hadersleben zu verbringen. „Das wird meine neue Familie“, scherzte der Geschäftsmann, dessen Vater Uffe, an der Schiffbrücke in Apenrade Schiffsproviant verkaufte. Er habe seine ersten Segelpartien in der Apenrader Förde unternommen. Das war Anfang der 50er Jahre in einer Jolle. Nach dem Abitur an der Staatsschule kam Kunøe an die Kaserne in Hadersleben, wo er die Militärlaufbahn einschlug, und zum stellvertretenden Kommandanten des Schleswigschen Infanterieregiments berufen wurde. Nachdem er 1974 das Militär verlassen hatte, arbeitete er zunächst als Firmenberater. Inzwischen ist Kunøe dafür bekannt, ein Experte für den Kauf von notleidenden IT-Unternehmen zu sein und diese zu einem Erfolg zu machen. Bekannt gemacht haben ihn auch das Unternehmen Mercuri Urval und die IT-Firma Atea. Derzeit ist Kunøe im Besitz von 14 Gesellschaften, die, wie er berichtete, einen jährlichen Umsatz in Höhe von 22 bis 23 Milliarden Kronen verzeichnen. Von den knapp 10.000 Mitarbeitern arbeiten 2.000 in Dänemark. Sein Eigenkapital bezifferte Kunøe mit 2 Mia. Kronen. „In meiner Zeit an der Kaserne habe ich am Aastruper Weg gewohnt. Da konnte ich zu X-Yacht rüberschauen“, schmunzelte Kunøe. Es sei das erste Unternehmen, das er in Nordschleswig kaufe. Er freue sich darauf, erneut Kontakte in den südlichen Teil des Landes, wo er keine Familie mehr habe, knüpfen zu können. „Meine Mutter Ulla ist im Herbst des Vorjahres gestorben. Mein Bruder Gorm wohnt in Oslo“, so Kunøe, der sich nach den Sommerferien, wenn er von seiner dreiwöchigen Segelpartie im Mittelmeer zurückkommt, wohl gleich an den Hafen in Hadersleben aufmachen werde. Früher, als er noch mehr segelte, sei er auch schon mal gegen die Brüder Jeppesen angetreten. Ein Boot der Haderslebener Werft habe er allerdings – „noch nicht“, lachte Kunøe und fügte hinzu, dass Expansion und Entwicklung Schlüsselwörter der Zukunft sein werden. |