Hadersleben/Haderslev - 22. Juni 2012 - von Ute Levisen
Komplexe Planwirtschaft: Müll- & Wasserfirma ertrinkt in Bürokratie Zwölf Jahresberichte bei Provas und jede Menge Herausforderungen: Bis 2015 sollen 30 Prozent der Betriebskosten gespart werden  |  |
| Direktor John Hartvig Mølgaard erläutert Provas komplexe Zusammenhänge. Foto: Ute Levisen |  |
| Die gute Nachricht aus dem komplex strukturierten Hause des Versorgungsunternehmens Provas lautet: Man hält sich dort an die vom staatlichen Versorgungssekretariat vorgeschriebene Preisdeckelung. Und: Trotz weniger Geld, sprich Gebühren, für den Betrieb, laufe es im Großen und Ganzen ganz gut bei Provas, resümiert der geschäftsführende Direktor, John Hartvig Mølgaard. Die schlechte Nachricht: Das einstige kommunale Unternehmen, das sich der Abwasseraufbereitung, des Abfallentsorgung und der Wasserversorgung von Bürgern der Kommune Hadersleben annimmt, ertrinkt in Bürokratie. Zwölf Jahresberichte muss das Unternehmen vorlegen, die notwendigen sechs bis sieben „Unterbilanzen“ sind dabei noch gar nicht mitgerechnet! Seit zweieinhalb Jahren ist der Versorgungsbetrieb schottendicht vom Kommunalbetrieb getrennt – und eine Aktiengesellschaft, die wiederum zu 100 Prozent in kommunalem Besitz ist. Ziel der Vergesellschaftung kommunaler Aufgaben war eine vom Gesetzgeber vorgeschriebene Effektivierung, die auch ein Benchmarking, den Vergleich der Unternehmen untereinander, ermöglicht. Einfach ausgedrückt: Der Staat wünscht, dass die einstigen kommunalen Versorgungsbetriebe unter marktwirtschaftlichen Bedingungen arbeiten. Der Weg war vorgegeben: von der Plan- auf zur Marktwirtschaft! Provas Berichte sind dem Jahresberichtsgesetz, dem Wassersektorgesetz und anderen gesetzlichen Bestimmungen unterworfen, die viele Geschäfts- und Teilberichte nach sich ziehen. Hinzu kommt, dass die Gesellschaft keinen Gewinn machen darf, sozusagen finanziell in sich ruhen muss: viele Vorbedingungen, die berücksichtigt werden müssen, sollen die ganzen Rechnungen schließlich in einer höher-en Einheit aufgehen, seufzt der Direktor. „Wir raufen uns mitunter die ohnehin schon grauen Haare“, gesteht der Vorstandsvorsitzende von Haderslev Forsyningsservice A/S, der Stadtratspolitiker Jan Christensen (Soz.), und weist auf seinen schlohweißen Schopf: „Gut, dass meine Haare grauer nicht werden können.“ Bei der Müllentsorgung hat es keine Gebührenerhöhung gegeben, was damit zusammenhängt, dass 2,4 Millionen Kronen an Überschuss erwirtschaftet wurden, die nun über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren in der einen oder anderen Form zurück an die Verbraucher gehen. Anders bei der Abwasserbehandlung: Hier hat Provas das Dreifache von dem an Abwasser behandelt, was durch Gebühren abgedeckt ist. Hintergrund sind die Klimaveränderungen, und der einzige Weg aus dieser Misere ist die Trennung von Regen- und Abwasser, wobei schon ein säumiger Grundeigentümer den Anschluss ganzer Wohngebiete verzögern könnte, wie Mølgaard hinzufügte. Im laufenden und in den folgenden Jahren kommen neue Herausforderungen auf Provas zu: Bis zu 30 Prozent soll die Gesellschaft bis 2015 an Betriebskosten sparen – ein Ideenkatalog wird zum Herbst vorliegen. Ohne Entlassungen dürfte die Effektivierung kaum zu bewältigen sein. Der Anfang ist getan: Früher hat das Unternehmen jährlich 15 Millionen an Verwaltungskosten an die Kommune überwiesen; seitdem Provas die Buchhaltung selbst übernommen hat, ist dieser Verwaltungsaufwand auf 6,5 Mio. Kronen geschrumpft: staatlich verordnete Effektivität. |