Sonderburg/Osterhoist - 07. Juli 2012 - von Ruth Candussi
„Keine brutalen Erziehungsmethoden“ Am zweiten Prozesstag im Fall „Tobias“ kamen weitere grausame Details an den Tag – Angeklagter bestritt Brutalität Der 29-Jährige, der mit seiner früheren Lebensgefährtin angeklagt ist, den nur 15 Monate alten Tobias im Sommer vergangenen Jahres misshandelt und zu Tode geschlagen zu haben, bestritt gestern, wie erwartet, im Gericht in Sonderburg die von seiner früheren Freundin gemachten Aussagen zu seinen angeblich brutalen Erziehungsmethoden. Er konnte sich an alle von ihr beschriebenen Szenen erinnern. Er bestritt jedoch die angeblich von ihm an den Tag gelegte Brutalität gegenüber dem Kleinkind. Tobias sei ein schwieriges Kind, das unter der Trennung seiner leiblichen Eltern litt. Zunächst hätte der Junge geweint, sobald er einen Mann sah. Später brach er nur in Tränen aus, wenn er den Ex-Freund seiner Mutter sah. Eine frustrierende Situation, gab der Angeklagte zu. „Er weinte nicht nur, er schrie. Es war nicht auszuhalten.“ Die von der 22-jährigen Frau am Montag vor Gericht beschriebenen Szenen seien halb so dramatisch verlaufen, erklärte der Mann am gestrigen zweiten Prozesstag. Der 29-Jährige bestätigte die „Time-Out-Praktiken“, wonach der Junge „bestraft“ wurde, wenn er weinte. Sie seien aber nicht so, wie von seiner ehemaligen Freundin geschildert, verlaufen. Er hätte den Jungen auf die Treppe gesetzt und wenn er aufgehört hatte zu weinen, sei er selbst zu den Erwachsenen gekommen. Nur einmal hätte er ihn sehr energisch auf die Treppe gesetzt. In den Keller eingesperrt oder brutal geschlagen hätte er ihn auch nicht. Während er seine Aussage machte, weinte seine frühere Lebensgefährtin unentwegt. Auch beim gemeinsamen Baden sei er sich keiner Schuld bewusst, dem Kind Gewalt angetan zu haben. Tobias, der auf seinem Bein gesessen hatte, hätte ihm aus Versehen die Halskette abgerissen. Dafür könne der Kleine ja nichts. Als er sich selbst die Haare wusch, sei der Junge plötzlich mit dem Kopf unters Wasser gekommen. Er hätte ihn schnell aus der Badewanne gehoben und auf den Fußboden gesetzt und sich selbst das Shampoo aus den Haaren gespült und im Wasser nach der Kette gesucht. Er hätte nicht gemerkt, dass das Gesicht des Kindes blau angelaufen war, als seine Lebensgefährtin ins Badezimmer gekommen sei. Dass das Kind, sich beim Fallen in der Küche seiner Eltern einen Zahn ausgeschlagen hatte, konnte der 29-Jährige auch erinnern. Der Angeklagte und sein Stiefvater hätten später ein Auto gewaschen, als Tobias mit seiner Mutter auch rauskam. Der Junge hatte eine Serviette im Mund gehabt wegen des blutenden Zahns. „Ich bemerkte, dass sich seine Gesichtsfarbe veränderte, die Serviette war tief im Mund. Ich hatte Angst, er würde ersticken. In Panik habe ich ihm auf den Rücken geschlagen und versucht, die Serviette aus dem Mund zu holen. Dabei ist der Zahn wohl rausgefallen“, so der Angeklagte, bevor sich das Gericht wie beim Prozessauftakt eine Rekonstruktion der Vorgänge anschaute. Zum Tod des Jungen führte am Ende ein Schädelbruch. Als die Falckretter am Morgen des 18. Juli an der Skolegade eintrafen, nachdem die Mutter viel zu spät den Notdienst alarmiert hatte, stellten diese schnell fest, dass etwas nicht stimmte und forderten die Polizei an, wie sie gestern vor Gericht aussagten. Der Junge müsse aufgrund der eingetretenen Leichenstarre bereits sechs Stunden tot gewesen sein. An mehreren Stellen im Haus fand die Polizei blutige Kleidung des Kindes. Die Obduktion wies 80 Verletzungen auf, darunter Brüche an Arm und Bein sowie unzählige Bisswunden. Am Montag wird der Prozess fortgesetzt, ein Urteil wird für kommenden Freitag erwartet. |