Hadersleben/Haderslev - 10. August 2012 - von Ute Levisen
Kirchenwahl – die Generalprobe zur Kommunalwahl im nächsten Jahr
Für die deutsche Liste könnte es zur Kirchenwahl im November eng werden / Pastorin Christa Hansen: Kirche ist auch für die Minderheit wichtig
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| Pastorin Christa Hansen mit Luther in Gips. Ute levisen |  |
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Der 13. November ist in diesem Jahr ein entscheidendes Datum – für die Kirche und für die deutsche Minderheit. An diesem Dienstag finden die Kirchenratswahlen statt.
„Für die deutsche Liste wird es eine Art Generalprobe zur Kommunalwahl“, lächelt Christa Hansen, Pastorin für den deutschen Teil der Domgemeinde. An diesem Tag müssen, ja sollten die Gemeindeglieder die Gretchenfrage beantworten, indem sie aktiv an der Wahl teilnehmen, denn im Unterschied zur Kommunalwahl erfährt die Kirchenratswahl weitaus weniger Aufmerksamkeit in der breiten Öffentlichkeit.
„Doch eine Teilnahme daran ist wichtig, um die Kontinuität der kirchlichen Arbeit zu sichern“, mahnt Christa Hansen.
Nicht nur die Kirchen in der Domgemeinde haben es schwer – dies gelte beispielsweise auch für die Arbeit der Kirche in Südschleswig, wodurch es in den vergangenen Jahren zu einer Annäherung zwischen Nord- und Südschleswig gekommen sei – „nicht zuletzt, weil die Problemstellungen hier und dort ganz ähnlicher Art sind“.
Das Hauptproblem sei, so die Erfahrung der Pastorin, dass sich immer weniger Menschen mit ihrer Kirche identifizieren:
„Durch die zunehmende Individualisierung ist die Traditionsbindung an die Kirche nicht mehr so verbindlich wie früher“, erläutert Hansen und verweist auf die rückläufige Tendenz bei der Zahl der kirchlichen Trauungen – im Gegensatz zu den Taufen und Konfirmationen. Zu Ersterem mag auch die anhaltende Debatte über die kirchliche Trauung homosexueller Paare beigetragen haben, vermutet die Pastorin.
In diesem Jahr könnte es erstmals wirklich eng werden für die deutsche Liste – wenn nicht alle Gemeindeglieder „Farbe“ bekennen, was schade wäre, denn:
„Kirche ist in weitaus höherem Maße, als uns bewusst ist, auch Kulturträger und nicht zuletzt deswegen wichtig für die deutsche Minderheit“, sagt Christa Hansen. Sie hat angesichts des latenten Dilemmas eine Zukunftsvision: Statt wie bisher auf eine dezidiert deutsche Liste zu setzen, empfiehlt sie in Zukunft die Aufstellung deutscher Kandidaten auf einer breiten volkskirchlichen Liste, wodurch gewählte deutsche Vertreter die gesamte Verantwortung mittragen würden.
Schon jetzt sei es so, dass sich die Arbeit des dänischen und die Arbeit des deutschen Teils der Domgemeinde gegenseitig befruchten:
„Man lernt voneinander – und die gegenseitige Wertschätzung ist generell sehr hoch!“
Irgendwie erinnert die Hansensche Vision einer künftigen Kirchenratsgemeinschaft an das ganzheitliche Gemeindeprinzip, das noch bis zum Jahr 1920 galt und das einen Pastor für eine Gemeinde vorsah. Eine weitere Besonderheit ist relativ unbekannt: So ist es möglich, dass Mitglieder der dänischen Volkskirche in Landgemeinden das Gemeindeband zu ihrer örtlichen Kirchengemeinde lösen und beispielsweise Mitglied der Domgemeinde werden können.
Der Nordschleswiger wird in loser Folge über die kirchliche Arbeit deutscher Gemeindeglieder in der Kommune Hadersleben berichten.