Tingleff/Tinglev - 10. August 2012 - von Kjeld Thomsen
Deutsche Nachschule Tingleff geht nach „Top-Jahr“ in die nächste Runde
Schulleiter erwartet etwas geringere, „aber gute Belegung“ / Fehlende Zuschüsse für deutsche Eltern nach wie vor großes Sorgenkind
 |  |
| Die Internet-Hauptseite der Deutschen Nachschule Tingleff. Die Einrichtung nimmt Mitte kommender Woche das neue Schuljahr in Angriff. |  |
|
Die rekordverdächtige und historische Schülerzahl von über 90 wird in der Deutschen Nachschule Tingleff diesmal wohl nicht erreicht, wenn in der kommenden Woche das neue Schuljahr eingeläutet wird. Schulleiter Jørn Warm rechnet mit um die 80 bis 85 Schüler und das ist ganz okay, wie er sagt. Ein leidiges Thema und großes Problem ist für ihn nach wie vor die fehlende Bezuschussung von Schülern aus Deutschland. Südlich der Grenze genießt die Tingleffer Einrichtung hohes Ansehen und Anfragen gab es auch diesmal wieder viele.
Die Eigenleistung der deutschen Eltern, die nach einer Preissteigerung bei rund 850 Euro monatlich liegt, hätte leider viele interessierte Eltern passen lassen, erwähnt Jørn Warm. Wenn er bedenke, dass deutsche Jugendliche schulisch enorm weiterkommen und ihnen zum Schulabschluss verholfen werde – einige sogar weiter aufs deutsche Gymnasium in Apenrade gehen –, dann müsste es doch auch im Interesse des deutschen Bildungs- und Ausbildungswesens sein, dies zu fördern. Das proklamiere er nun seit Jahren, leider ohne, dass etwas passiert.
Warm würde sich auch mehr Schüler von deutschen Schulen in Nordschleswig wünschen. „Wir haben im vergangenen Jahr enorm viele Geschenke und positive Rückmeldungen von Schülern und Eltern erhalten. Mein Kollegium hätte es in meinen Augen nicht besser machen können.“
Nicht ohne Stolz ruft Warm in Erinnerung, dass 22 Schüler der Nachschule ans Deutsche Gymnasium für Nordschleswig wechseln. Mit dabei u. a. eine polnische Gastschülerin, die nach einem Jahr VDA-Stipendiat ein weiteres Jahr auf eigene Kosten in der Nachschule dranhängte und nun ins deutsche Gymnasium gehen wird. „Ich finde, das sagt einiges aus. Es gibt auch eine gute Zusammenarbeit mit dem Gymnasium“, so Warm.
Der Erfolg der Nachschule und die positiven Rückmeldungen scheinen aber nicht überall Beachtung zu finden, bedauert Warm. So mancher Schüler einer deutschen Schule in Nordschleswig würde eine oder andere Nachschule oder anderes Gymnasium wählen.
Man sitze als Minderheiteneinrichtungen in einem Boot und sollte innerhalb des deutschen Schulwesens zusammenrücken, so der Wunsch des Nachschulleiters. Andere Schulen und Ausbildungseinrichtungen im Grenzgebiet öffnen zunehmend die Augen für deutsch-geprägte Unterrichtsverläufe und Abschlüsse. Diesem Trend müsse man „im Sinne der gesamten Volksgruppe“ vereint begegnen und sich auf die eigenen Qualitäten besinnen.