Apenrade/Aabenraa - 17. Oktober 2009 - von Claudia Knauer
Showdown im Apenrader Hafen Rezension des Krimis »Sneglens Hus« von Hans Schmidt Petersen  |  |
| Hans Schmidt Petersen kommt in der kommenden Woche nach Apenrade und Sonderburg. Foto: C&K Forlag |  |
| Hans Schmidt Petersen ist für die Leser des Nord-schleswigers kein Unbekannter. Wir haben über seine dänischsprachigen Anfänge – für »Den lodne Bøg« bekam er den Debütpreis – berichtet wie über seine deutschsprachigen Krimis in Schleswig-Holstein bis hin zu seinen wieder dänischsprachigen Werken »Den gode Amerikaner« und »Eivissa«. Jetzt ist er wieder zum reinrassigen Kriminalroman zurückgekehrt. Mit »Sneglens Hus«, dem Schneckenhaus, legt er den ersten Band einer neuen Krimiserie vor, die im Grenzland spielt. Hans Schmidt Petersen ist damit, wie er in einem Interview mit unserer Zeitung vor einiger Zeit ankündigte, zu seinen Wurzeln zurückgekehrt. Er nutzt seine Heimat aber nicht wie einen Steinbruch. Er hält sich eng an die Gegebenheiten bei aller notwendigen dichterischen Freiheit. Das Schneckenhaus beginnt nach guter Mankell-Manier. Auf einem abgelegenen Hof zwischen Apenrade und Rothenkrug wird ein Ehepaar bestialisch ermordet aufgefunden. Kurz danach passiert – etwas weiter südlich im Lande – der nächste Mord. Es sterben ein Mann, seine Frau und seine Schwägerin. Dem ermittelnden Kommissar Carsten Mathiesen aus Apenrade – das der Autor entgegen den Gewohnheiten Åbenrå schreibt – werden schnell die Kollegen aus der Zentrale in Esbjerg zur Seite gestellt. Für sie ist klar, das waren osteuropäische Banden, Dänen tun so etwas nicht. Carsten Mathiesen ist anderer Meinung. Er sucht nach Verbindungen zwischen den Toten und findet einige lose Fäden in der Vergangenheit, darunter Bilder eines kleinen Mädchens, aber auch Beziehungen in die frühe Nachkriegszeit, in der der Mord an einem »hjemmetysker« eine Rolle spielt. Der junge Mann wurde auf einer Tanzveranstaltung durch ein Fenster erschossen. Geschichtskundige erkennen die Parallelen zu den tatsächlichen Ereignissen in Lügumkloster. Die Konstellation Deutsch-Dänisch spielt eine Rolle in Hans Schmidt Petersens Buch und er kennt sich aus. Sie dominiert aber nicht, das tut ein anderes Thema, wie sich zum Schluss herausstellt. Zudem versteht es Hans Schmidt Petersen, die deutsch-dänischen Nuancen unaufgeregt einfließen zu lassen. Dieses Buch unterscheidet sich dabei wohltuend von der »Rejseholdet«-Folge, die im Grenzland spielt. Da ermittelte ein dicker, dummer Dorfpolizist und der Mörder war natürlich ein Deutscher. Beim Schneckenhaus kommt es, nach einem weiteren Mordversuch nach gleichem Muster im schleswig-holsteinischen Oxbüll – eine Reminiszenz an des Dichters Heimatort auf Alsen – zur Zusammenarbeit zwischen Carsten Mathiesen und seiner Flensburger Kollegin Christiane Müller. Nach anfänglichen Hakeleien, welche Sprache denn zu sprechen sei – was zumindest für Mathiesen zunächst eine grundsätzliche Dimension beinhaltet – kommen sich die beiden näher. Aber nicht so nahe wie sonst gerne in Petersens Bücher. Sex spart er aber auch diesmal nicht aus. Ganz im Gegenteil. Eingehende zärtliche Beschreibungen des Liebeslebens seiner Protagonisten sind elegant und machen Hoffnung, denn beim Kommissar und seiner Lone knistert es immer noch nach vielen Jahren der Ehe. Das ist aber nur eine Spielart des menschlichen Triebes. Die dänisch-deutsche Zusammenarbeit, die in Sonntagsreden so gerne besungen wird, betrachtet Petersen realistisch. Sie funktioniert, wenn sich Menschen finden, die sie wollen. Für andere ist sie nur eine lästige Anforderung mehr. Während die Esbjerger Ermittler stur ihrer Osteuropäerspur folgen und Carsten Mathiesen nur widerwillig seinen eigenen Weg gehen lassen, entwickelt die Geschichte ihre Dynamik und eigenwillige Wendung – vielleicht ein bisschen plötzlich, aber nicht gänzlich unerwartet. Wie es bei einem guten Krimi der Fall sein sollte. Es kommt zum Showdown im Apenrader Hafen. Wer mit Apenrade und Nordschleswig vertraut ist, entdeckt viele Bekannte, wenn auch an einem unvermuteten Platz. Die große Fabrik Mønt zwischen Apenrade und Rothenkrug jedenfalls, in der fast alle aus der Gegend Schrauben drehen, erinnert stark an ein Weltunternehmen auf Alsen. Auch die bekannte Apenrader Reederei wird nicht namentlich genannt, spukt aber im Hinterkopf des Autors. Das Schneckenhaus ist der erste Band einer Serie über Mathiesen und Müller. 2010 und 2011 werden weitere folgen. Grenzüberschreitenden Stoff gibt es genug. Die sozialpolitischen Aspekte, die Fragen nach Menschlichkeit im Umgang mit Ausländern, der Blick auf die eigene Existenz, den der nachdenkliche und so gar nicht mutige Carsten Mathiesen immer wieder wirft, werden auch dort ihren Platz finden, ebenso wie der Petersen eigene Humor. So heißt es über die Techniker, die nach Spuren suchen: »Ihrer Ansicht nach ist es zu schwierig, mit Menschen zu tun zu haben. Spuren lügen nicht im gleichen Maße.« Hans Schmidt Petersen, der mit der dänischen Sprache souverän umgeht und manch ausgetretenen Pfad verlässt, gelingt es, Menschen aus Fleisch und Blut zu zeichnen. Das gibt dem Kriminalroman Tiefe und Gewicht. Ein Muss für Apenrader, ein Vergnügen für den Rest des Landes. »Sneglens Hus«, erschienen im C&K Forlag, 317 Seiten, unverb. Preisempfehlung: 299,95 Kronen (gebundene Ausgabe).
Lesungen und Signierstunden Hans Schmidt Petersen kommt in der kommenden Woche nach Nordschleswig. Sein Programm: Dienstag, 20. Oktober: 15.30-16.30 Uhr: Signierstunde Bog & Idé, Apenrade 17.00-18.00 Uhr: Signierstunde Føtex, Apenrade 19.30 Uhr: Autorenlesung Dän. Bibliothek, Apenrade Mittwoch, 21. Oktober 14.30-15.30 Uhr: Signierstunde Arnold Busck, Sonderburg 16.00-17.00 Uhr: Signierstunde Føtex Sonderburg 17.30-18.30 Uhr: Signierstunde Bilka Sonderburg Darüber hinaus nimmt Hans Schmidt Petersen bei TV Syd an der Sendung »Alt om Syddanmark«, die am Donnerstag, 22. Oktober, teil. |