Ludwigsburg - 22. September 2012 - von ard-dm
Merkel und Hollande nach 50 Jahren: "Es lebe die deutsch-französische Freundschaft"
Präsident François Hollande haben sich mit Nachdruck für eine noch engere Zusammenarbeit beider Länder ausgesprochen, um Europa aus der Krise zu führen. "Wir haben keine andere Wahl als voran zu marschieren", sagte Hollande bei einem Festakt in Ludwigsburg, in dem an die völkerverbindende "Rede an die Jugend" des damaligen französischen Präsidenten Charles de Gaulle vor 50 Jahren erinnert wurde.
Hollande rief dazu auf, der deutsch-französischen Freundschaft "einen neuen Sinn zu geben". Wie bei einem alten Paar sei es wichtig, die "Flamme immer wieder neu zu entzünden".
"Wir bilden das Herz Europas"
Mit Blick auf die Gründerväter der deutsch französischen Aussöhnung erklärte Hollande, dass es auch heute viel Kühnheit bedürfe, wo Europa in einer "tiefen moralischen und politischen Krise" stecke. Europa dürfe nicht nur im Finanz- und Bankensektor zusammenwachsen, sondern müsse auch eine politische und soziale Union bilden. Dabei komme Deutschland und Frankreich eine besondere Bedeutung zu: "Wir bilden das Herz Europas." Auf Deutsch sagte er: "Es lebe die deutsch-französische Freundschaft."
Merkel sagte, Deutschland und Frankreich komme eine besondere Verantwortung bei der nachhaltigen Entwicklung Europas zu. Sie verwies dabei besonders darauf, wie wichtig es sei, der Jugend Berufschancen und eine freie Entfaltung zu ermöglichen. An die zahlreichen anwesenden Jugendlichen appellierte Merkel, sich von der "Zukunftsfreude" der Gründerväter der deutsch-französischen Aussöhnung, dem damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer und Präsident de Gaulle, anstecken zu lassen: "Das Europa von morgen liegt in Euren Händen".
Hollande und Merkel betonen gutes persönliches Verhältnis
Nach einem gemeinsamen Arbeitsessen betonten die Kanzlerin und der französische Präsident, auch ihr persönliches Verhältnis sei gut. Merkel sprach von einem "freundschaftlichen Verhältnis", Hollande erklärte, die Gespräche seien von einem "guten Geist" geprägt. Das Verhältnis der beiden galt unter anderem deshalb als belastet, weil Kanzlerin Merkel im französischen Präsidentschaftswahlkampf Hollandes konservativen Kontrahenten Nicolas Sarkozy unterstützt hatte.
Im Innenhof des Ludwigsburger Schlosses feierten Merkel und Hollande mit 650 geladenen Gästen.
Merkel und Hollande machten deutlich, dass sie in der aktuellen Politik mehr denn je auf die deutsch-französische Zusammenarbeit setzen. "Wir waren uns mit Blick auf den EU-Rat im Oktober einig, dass sich Deutschland und Frankreich sehr eng abstimmen werden", sagte die Kanzlerin mit Blick auf die Debatten über weitere Integrationsschritte in der EU und der Euro-Zone. Man werde sich noch häufiger treffen. Hollande kündigte in einer gemeinsamen Pressekonferenz zudem eine sehr enge Absprache beider Regierungen beim Fusionsprojekt des EADS-Konzerns mit dem britischen Unternehmen BAE Systems an.
"Seine Worte haben eine ganze Generation geprägt"
Die Feiern in Ludwigsburg erinnerten daran, dass im Hof des Ludwigsburger Schlosses vor fast genau 50 Jahren Staatspräsident Charles de Gaulle die Solidarität zwischen beiden Völkern beschworen hatte. Seine berühmte Rede an die Jugend am 9. September 1962 gilt als wichtiger Schritt auf dem Weg zur Aussöhnung zwischen den "Erbfeinden" nach dem Zweiten Weltkrieg. Tausende junge Menschen jubelten de Gaulle damals zu.
Höhepunkt war die Unterzeichnung des Elysée-Vertrags über die deutsch-französische Zusammenarbeit, der am 22. Januar 1963 geschlossen wurde. Merkel würdigte de Gaulles Rede als Vermächtnis an die Deutschen und Franzosen: "Seine Worte haben eine ganze Generation geprägt."
Zahlreiche Veranstaltungen im deutsch-französischen Jahr
Der Festakt in Ludwigsburg ist Teil des deutsch-französischen Jahres, das Merkel und Hollande im Juli im französischen Reims eröffnet hatten. Bis Sommer 2013 soll mit zahlreichen Veranstaltungen an den Beginn der Aussöhnung vor 50 Jahren erinnert werden.
Zudem gibt es ein deutsch-französisches Bürgerfest, bei dem Schulen, Städte und Universitäten ihre Projekte zur deutsch-französischen Zusammenarbeit vorstellen.