Kopenhagen - 20. Juli 2012 - von Cornelius von Tiedemann
Kopenhagen streitet sich mit Audi „Information“: Deutscher Autokonzern will Parlamentsgebäude als Werbekulisse nutzen – Kommune fühlt sich hinters Licht geführt Aufmerksamkeit erregen – das ist das Ziel jeder Werbekampagne. Doch der deutsche Autokonzern Audi macht sich derzeit in Kopenhagen mit einem groß angelegten Werbefeldzug nicht nur Freunde. Der Vorwurf der Stadtverwaltung: Der Konzern verstoße gegen Vereinbarungen, habe die Behörden hinters Licht geführt. Großflächige Audi-Reklametafeln in der Innenstadt sollen die Kopenhagener und ihre Besucher dieser Tage zum Schauspielhaus und zum Christiansborg Slotsplads führen. Dort angelangt, können sie dann einen fabrikneuen Audi der Reihe A3 ansehen und anfassen. Eine ganze Stadt als Kulisse für Fahrzeugpremieren – ähnlich ist Audi bereits in Metropolen wie London oder Barcelona vorgegangen. Doch in Kopenhagen regt sich nun Widerstand. Wie die Kopenhagener Tageszeitung „Information“ berichtet, hat Audi von der Kommune keine Genehmigung dafür bekommen, den neuen Audi werbewirksam auf dem Vorplatz des dänischen Parlamentes, dem Christiansborg Slotsplads, zu inszenieren und das Parlament somit zur Werbebühne zu machen. „Wenn jemand von Audi uns gefragt hätte, ob sie ein neues Automodell auf dem Christiansborg Slotsplads präsentieren dürfen, dann hätten sie eine Absage bekommen“, lässt Jesper Sejerø, Abteilungschef Stadtleben bei der Kommune Kopenhagen, gegenüber „Information“ keinen Zweifel an der Haltung der Stadt. Überhaupt sei die Genehmigung für die Audi-Aktion in Kopenhagen nicht auf der Grundlage einer Werbekampagne für ein neues Auto erteilt worden. „Audi wollte seine Kompetenzen bei den neuesten Technologien für umwelt- und klimafreundliche Autos, bei Wiederverwertung, Elektro- und Wasserstoffantrieben zeigen“, so Sejerø, und die Behörde sei der Meinung gewesen, „dass das gut zu dem passt, was wir als Kommune fördern wollen, und deshalb erhielten sie die Genehmigung“. Und tatsächlich: Auf dem Platz hat Audi eine Installation errichtet, mit der der Konzern auf eine noch zu bauende Leichtgewichtskarosserie aufmerksam macht und wo ein Hybridfahrzeug zu sehen ist, das teilweise mit Strom betrieben wird. Doch die Genehmigung zur Präsentation für das neue Auto, auf die u. a. in Deutschland durch große Gewinnspielaktionen in Autozeitschriften aufmerksam gemacht wurde, die gibt es laut Kommune nicht. „Wenn sie damit anfangen, ein neues Modell auf dem Christiansborg Slotsplads zu präsentieren, dann haben sie uns an der Nase herumgeführt. Das war nicht vereinbart“, so Sejerø zu „Information“. Die „Weltpremiere“ des neuen Audi A3 ist Teil einer riesigen Veranstaltung, bei der Audi-Vertriebspartner aus aller Welt nach Kopenhagen eingeflogen werden und laut Wonderful Copenhagen für 10.000 Übernachtungen in der Hauptstadt sorgen. Allein am Flughafen werden mehrere hundert neue Audis für die Händler für Probefahrten bereitstehen. Laut Audi könne gar nicht davon die Rede sein, dass der Autokonzern die Stadt an der Nase herumgeführt hat: „Wir haben immer gesagt, dass wir unser Auto als Teil des Händlertreffens in Kopenhagen präsentieren werden“, so Audi-Projektleiterin Annkatrin Hentsch zu „Information“. Es sei nicht „Audi-Stil“, 3.800 Händler aus der ganzen Welt einzufliegen, ohne die Genehmigungen in Ordnung zu haben. Doch Jesper Sejerø ist anderer Meinung: „Das steht in direktem Widerspruch zu dem, was wir bei den Treffen besprochen haben.“ Eine im Zuge der Verhandlungen dem Technik- und Umweltausschuss vorgelegte Stellungnahme stützt seine Darstellung. Daraus geht klar hervor, dass Kopenhagen nicht als Kulisse für die Präsentation neuer Audi-Modelle dienen möchte. |