13. Juli 2012 - von Sara Kannenberg
Im Schatten der Supersense Teil II
Mit einer Supersense vor der Windschutzscheibe nach Sonderburg schleichend, machte ich mir also Gedanken über die beeindruckende Wissensvermehrung der vergangenen Jahrhunderte. Vom Ackerbau per Ochs` und Pflug zum Fingermähbalken mit Zapfwelle und Werkkurbel. „Erst mit der Entwicklung von leichten Benzinmotoren in den 20er Jahren wurde die Modifizierung der Mähmaschine möglich“ mehrt Massenmedium Wikipedia mein Wissen. Sprich: Die Pferde machten sich vom Acker und werden heute in den Reitställen dieser Welt mit Anti-Fliegen-Shampoo in der Stallgasse gewaschen.
Als Berichterstatterin vermehre ich das Wissen meiner Leserschaft, übertrage Gehörtes und Erfahrenes hinaus in die Welt. So weiß der geneigte Leser nach Lektüre meiner jüngsten Artikel, dass die Bassins im Sonderburger Schwimmbad vor sich hin bröckeln, Sonderburg 2017 sich in seinem Bewerbungsschreiben einen kulturpolitischen Fauxpas geleistet hat, dass ein Mensch in der Lage ist, ein bewusstloses Kleinkind zu beißen, die Königin am Dienstag ein blau-kariertes Sommerkostüm trug und ein junger Mann in Sonderburg zwei Pizzen allzu kross im Ofen buk, bis die Polizei die Tür aufbrach. Weltpolitisch ist dies alles kaum von Bedeutung. In Syrien wütet ein Bürgerkrieg und in Sonderburg lösen sich Fliesen im Schwimmbad. Fakten, die die Welt nicht braucht? Die Welt vielleicht nicht. Meine Umwelt schon. Nationale Tageszeitungen und entsprechende Internetportale aktualisieren mein Wissen um den Stand der Dinge auf dieser Erde minutiös.
So kommt es, dass man dann und wann voll Entsetzen auf den Bildschirm starrt, der eine Katastrophe vom anderen Ende der Welt live überträgt, während man selbst gerade dabei war, die Grillparty am Abend vorzubereiten. Derlei betrifft uns, indem es betroffen macht. Und wenn sich unter den Opfern der Katastrophe bekannte Menschen oder Personen aus der Region befinden, erhält das Wort „Betroffenheit“ eine doppelte Bedeutung.
Ich habe bis heute nicht verstanden, wie eine Doppelkurbelwelle an Supersensen funktioniert. Aber wer weiß, vielleicht berichterstatte ich ja mal über eine lokale Neuerfindung innerhalb der Mähbranche? Über einen ausgetüftelten Supermörtel für Schwimmbäder, den ein Leser dieser Kolumne nun erfindet?
Auch lokale Rezepte für den Weltfrieden als solchen bin ich willens zu beschreiben. Vielleicht (er)finden die Weltverbesserer vom Sekretariat für Frieden, Kultur und Wohlstand des 2017-Projektes ja noch die richtigen Worte dafür?
Mit derlei hoffnungsvollen Aussichten verabschiedet sich die Kolumnistin in die Sommerferien. Ich werde die Internetportale dieser Welt links liegen lassen, bei der Heuernte die Supersense in den (Wind-)Schatten stellen und frische Erdbeeren essen, während mein Pferd in der Stallgasse trocknet.