Knivsberg - 12. Juli 2012 - von Claudia Knauer
Leise Töne, freche Tänze: Auf dem Knivsberg wird wieder geprobt Die Bremer Stadtmusikanten werden in einer Fassung von und mit Wolfgang Nier von 27 Kindern und Jugendlichen einstudiert  |  |
| Die Kätzchen haben keine Lust, als Sänger mit nach Bremen zu ziehen. Foto: Claudia Knauer |  |
| „Das Ding drehen wir am Samstag!“ – Räuber Kurt gibt auf der Bühne die Richtung vor – vom Parkett aus tut das Wolfgang Nier. Mit großen Armbewegungen und freundlichen, aber bestimmten Anweisungen dirigiert er 27 Kinder aus Flensburg, Nordfriesland und Nordschleswig. Die Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen acht und 15 Jahren haben sich für sechs Tage in der Bildungsstätte Jugendhof Knivsberg zusammengefunden, um das Musical „Die Bremer Stadtmusikanten“ einzustudieren. Allerdings stehen in der Fassung von Wolfgang Nier nicht Hund, Katze und Huhn auf dem Esel, sondern ein Schwein, ein Hase und ein Papagei. Die Musik stammt aus der Feder von Manfred Grote. Uraufgeführt wurden diese Stadtmusikanten im vergangenen Jahr in Berlin. Die beiden Vorstellungen im Theatersaal des Jugendhofs am Sonnabend, 14. Juli, um 14 und um 15.30 Uhr sind die ersten seit der Premiere. Während Räuber Kurt und seine Spießgesellen in der Probe versuchen, möglichst laut, deutlich und aggressiv zu sprechen, hat der Esel in Gestalt von Luna Futtrup (14) sich in seiner Rolle schon gut zurechtgefunden. Stimmlich und schauspielerisch sicher schreitet Luna auf der Suche nach Mitmusikanten über die Bühne. Kein Wunder, denn die junge Dänin, die in Flensburg lebt, arbeitet schon zum vierten Mal mit Wolfgang Nier zusammen. Bisher allerdings nur in Flensburg. Auf dem Knivsberg ist sie zum ersten Mal. „Das macht Spaß zusammen mit den anderen“, berichtet sie dem Nordschleswiger strahlend. Der Esel kann nicht länger in seinem Zirkus leben, denn dort wird das Geld knapp. Da erinnert er sich an die Stadtmusikanten und macht sich auf, weitere Sänger zu suchen. Das ist aber gar nicht so einfach, denn die Bauernhoftiere haben gar keine Lust und narren den Esel mit einem frechen Tanz. Alle Kinder sind mit Eifer bei der Sache, auch wenn das eine oder andere durchaus mal herzhaft gähnen muss, wenn Pause ist. Kein Wunder, denn der Probenplan, der am Theatersaal aushängt, ist eng. Jeder Tag beginnt um 9 Uhr und mit Einzelproben kann es abends bis 20 Uhr gehen. Die Zeit dazwischen ist auch gut ausgefüllt: „Wir sitzen oben im Zimmer und machen Quatsch“, berichtet Karoline Lorenzen aus Apenrade, die mit acht Jahren die jüngste Teilnehmerin ist. Aber, so versichert sie, natürlich werde auch der Text gelernt. „Und wir spielen Spiele“, ergänzt sie. In gewohnter Manier sorgen die Mitarbeiter des Knivsbergs dafür, dass sich Kinder und Musicalleiter wohlfühlen, trotz eines Wechsels im Personal. „Katrin unterstützt mich ganz toll“, lobt Wolfgang Nier und unterstreicht, dass die Gesamtatmosphäre den Proben guttut. „Es gibt ordentliches Essen und die Unterbringung ist prima.“ Überhaupt ist er wie all die Male zuvor, die er auf dem Jugendhof inszeniert hat, begeistert von „seinen“ Kindern. „Sie zeigen immer eine gute Haltung, sind nie unpünktlich und machen mit“, lobt er. Lob wird auch jeden Tag an diejenigen verteilt, die etwas ganz besonders gut gemacht haben. Darüber wird bei der Auswertung der einzelnen Probenelemente gesprochen. Das motiviert die Teilnehmer, sich richtig ins Zeug zu legen, auch wenn es noch einige Texthänger gibt und einige Noten schief sitzen. Immerhin sind die Kinder erst seit Montag zusammen und haben dafür schon Erstaunliches geleistet. „Aber ab morgen müssen sie die Texte im Kopf haben“, macht Wolfgang Nier klar. Dabei haben die jungen Schauspieler und Schauspielerinnen viel zu leisten, denn wie Frauke Lorenzen, die u. a. ein Räuber ist, haben alle mehrere Rollen, denn das Stück wird zweimal aufgeführt. Wie immer sind die Jungs in der Unterzahl. Dieses Mal sind von 27 Teilnehmer nur vier kein Mädchen. |