Kopenhagen - 06. Juli 2012 - von ard-ritzau-dm
Deutsch-dänischer Chip-Ball soll künftig Wembley-Tore vermeiden
Tor oder kein Tor? Die wohl meistdiskutierte Frage im Fußball soll künftig durch technische Hilfsmittel Das FIFA-Regelkomitee IFAB in Zürich gab grünes Licht für die Einführung technischer Systeme, die dem Schiedsrichter anzeigen, ob der Ball die Torlinie überschritten hat oder nicht. Ein großes Geschäft wittert dabei der dänische Ballproduzent Select, der den sogenannten iBall zusammen mit dem Unternehmen Fraunhofer ISS entwickelt hat.
Die Fifa will durch Tests zwischen zwei unterschiedlichen System wählen und dabei hat Select mit dem Produkt GoalRef gute Tor-Chancen.
"Bei Select entwickeln wir bereits seit 65 Jahren Fußbälle und haben deshalb einen technischen Vorsprung", sagt Select-Direktor Peter Knap, dessen Ball einen kleinen elektronischen Chip enthält, der kombiniert mit Magnetfeldern zwischen den Pfosten dem Schiedsrichter ein Signal geben kann, wenn der Ball die Torlinie überschritten hat.
"Es erfordert aber die Entwicklung eines intelligenten Balles, denn er muss die Technologie auf der Torlinie beherrschen, zugleich aber auch einem Schuß von Ronaldo standhalten", erklärt
Peter Knap.
Außerdem soll das bereits beim Tennis erprobte Hawk-Eye zur Überwachung der Torlinie (mit Torkamera) zum Einsatz kommen.
Der Einsatz der neuen Systeme auf FIFA-Ebene soll vorerst nur für die Club-WM im Dezember in Japan, den Confederations Cup 2013 und die WM 2014 in Brasilien gelten. FIFA-Chef Blatter hatte sich erst nach den Fehlentscheidungen bei der WM 2010 in Südafrika aufgeschlossen gegenüber Technologien gezeigt. Damals war unter anderem England ein Tor von Frank Lampard gegen Deutschland nicht gegeben worden. Bei der EM 2012 zeigte sich das System mit Torlinienrichtern als anfällig, da der Ungar Istvan Vad seinem Schiedsrichter Viktor Kassai einen klaren Treffer der Ukraine gegen England nicht signalisierte.
Ab 2014 Technologie-Einführung in Bundesliga?
DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und Ligaverbands-Präsident Reinhard Rauball haben die Einführung der Torlinien-Technologie begrüßt. "Aus Sicht des DFB ist es ein Schritt in die richtige Richtung, aber Schnellschüsse in der Umsetzung darf es nicht geben. Zur neuen Saison ist eine Einführung absolut unmöglich. Es ist der richtige Weg, den Einsatz der Technik zunächst auf die großen FIFA-Turniere zu konzentrieren", sagte Wolfgang Niersbach, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes.
Für Rauball ist die Einführung in der Bundesliga zur übernächsten Saison denkbar. "Das ist für die Zukunft des Fußballs ein erster wichtiger Schritt. Eine Einführung in der Bundesliga zur neuen Saison halte ich aber für absolut ausgeschlossen. Ich kann mir das frühestens zur Saison 2013/2014 vorstellen", sagte Rauball und fügte an: "Und man muss sehen, was das für die unteren Ligen bedeutet. Denn in Wimbledon ist es ja auch so, dass die Hawkeye-Technologie auch nur auf den Plätzen 1 und 2 genutzt wird. Wenn man auf Platz drei spielt, hat man keine Chance, die Entscheidungen zu korrigieren."