Lausitz - 21. Juni 2012 - von Claudia Knauer
Europeada 2012 bietet mehr als nur Minderheiten-Fußball-Spiele Fußballmannschaften kämpfen um den Pokal – Fans unterstützen von der Seitenlinie aus – Politiker nutzen Gelegenheit zum Gespräch  |  |
| Die Titelverteidiger Foto: hfr. |  |
| Nicht nur in der Ukraine und Polen wird derzeit heftig um den Ball gerungen, auch in der Lausitz kämpfen Mannschaften verschiedener Nationalitäten um den Pokal. Allerdings handelt es sich hier um ganz besondere Mannschaften, die eigentlich jeweils gleich zwei Nationen vertreten: die ihrer Minderheit und die der Mehrheitsbevölkerung in dem Land, in dem sie leben. Bei der Europeada 2012 treffen in dieser Woche Lausitzer Sorben (D), die Deutsche Minderheit aus Polen (PL), Kärntner Slowenen (A), eine Minderheitenauswahl aus Estland (EST), Roma aus Ungarn (H), Russlanddeutsche (RUS), Rätoromanen (CH), Slowakische Minderheit aus Ungarn (H), Kroatische Minderheit aus Serbien (SRB), West-Thrakien Türken (GR/D), Ladiner (I), Nordfriesen (D), als Titelverteidiger die Deutschsprachige Volksgruppe aus Südtirol (I), Ungarndeutsche (H), Karachay (RUS), die Dänische Minderheit aus Deutschland (D), Zimbern (I), Waliser (GB) und Okzitaner (F) aufeinander. Am heutigen Donnerstag kommt es zu den Viertelfinalbegegnungen. Die Deutschsprachige Volksgruppe aus Südtirol hat sich bisher wie gewohnt als schwerer Gegner erwiesen und wird ihrer Favoritenrolle gerecht, aber auch die dänische Minderheit schlägt sich mehr als wacker. Mangels Masse – sprich Fußballern, die abkömmlich waren – musste die deutsche Minderheit ihre Teilnahme absagen. Da Fußball aber nur die schönste Nebensache der Welt ist, nutzen die Minderheiten und die sie begleitenden Fans, darunter auch namhafte Minderheitenvertreter wie der Präsident der FUEV, Hans Heinrich Hansen, die Europeada zu politischen Gesprächen und kulturellem Austausch. Zum Beispiel wurde ein Theater - Theaterkolloquium durchgeführt, denn die FUEV unterstützt Kooperation der Theater der europäischen Minderheiten. Das Deutsch-Sorbische Volkstheater hatte zu diesem Kolloquium eingeladen. Dies richtete sich sowohl an professionelle Theater wie auch Laiengruppen. Im Mittelpunkt stand der Austausch über Theatererfahrungen und die zukünftige Zusammenarbeit. Ziel ist es, im Jahr 2014 ein Minderheiten-Theater-Festival in Bautzen ins Leben zu rufen. Das Deutsch-Sorbische Volkstheater besitzt mit zwei Häusern und drei unterschiedlichen Bühnen dafür ideale Voraussetzungen. FUEV-Präsident Hans Heinrich Hansen und Domowina-Vorsitzender David Statnik besuchten die Theaterfachleute und sagten die Unterstützung bei der Durchführung eines Minderheiten-Theatertreffens für 2014 zu. Zu den Teilnehmern des diesjährigen Treffens zählte auch „Det lille teater“ aus Flensburg. Die EUROPEADA 2012 ist aber auch für Politiker und Entscheidungsträger interessant, berichtet FUEV-Direktor Jan Diedrichsen. Es hätten nicht nur zahlreiche Abgeordnete vom Bundestag bis zum Europäischen Parlament und verschiedenen regionalen Parlamenten in Europa den Weg in die Lausitz gefunden. Das FUEV- Präsidium als Veranstalter der EUROPEADA 2012 hat in der Lausitz getagt und ist während des gesamten Turniers anwesend. Hans Heinrich Hansen nutzte gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Domowina, David Statnik, die Möglichkeit zu einem Gespräch mit dem Bautzener Landrat Michael Harig über aktuelle Themen der Region aber auch Minderheitenfragen in Europa im Allgemeinen wurden besprochen. Michael Harig hob das gute Verhältnis zu den Sorben hervor und freute sich, dass die EUROPEADA 2012 so erfolgreich laufe. „Mir sind direkte Gespräche wichtig und dass wir gemeinsam an Lösungen arbeiten“, so der Politiker. Auch kontroverse Themen wurden angesprochen. So wird in den letzten Wochen durch verschiedene Aktionen in der Lausitz auf die fehlende zweisprachige Beschriftung einiger Schilder verwiesen. „Es hat mich gefreut, dass der Landrat durchaus Verständnis für den Wunsch der Sorben zeigt, dass die Regeln der Beschriftung auch konsequent durchgeführt werden – nicht zuletzt unter dem Hintergrund, dass die sächsische Landesregierung die Bedeutung der Mehrsprachigkeit und Sprachenvielfalt in Sachsen unlängst überzeugend betont hat“, so FUEV-Präsident Hans Heinrich Hansen. Sportlich geht es am Freitag mit dem Halbfinale weiter. Um 14.30 Uhr wird zum Benefizspiel FC LANDTAG - EUROPEADA 2012 TEAM in Crostwitz/Chróscicy angepfiffen. Am Sonnabend wird zunächst um den dritten Platz gespielt, bevor es zum großen Finale mit anschließender Siegerehrung und Abschlussfeier in Bautzen/Budysin kommt.
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