Knivsberg/Knivsbjerg - 14. Juni 2010 - von Ulrich Küsel
Die Kirche ist Hüterin der deutschen Sprache Kirstin Kristoffersen: Gott erleben, Glauben, Kirche sein ist überall möglich – auch auf dem Knivsbergfest  |  |
| Kirstin Kristoffersen bei ihrer Festrede auf dem Knivsbergfest. Foto: Karin Riggelsen |  |
| »Wir sind Torhüterin. Wir passen nämlich auf, dass das zentrale Kernstück der Minderheit nicht verloren geht. Die Kirche in Nordschleswig ist Hüterin der deutsche Sprache«, hat die Seniorin der Nordschleswigschen Gemeinde, Pastorin Kirstin Kristoffersen, Tingleff, gestern in ihrer Festrede auf dem Knivsbergfest des Deutschen Jugendverbandes für Nordschleswig unterstrichen. Schon ab 1911 habe es auf dem Knivsbergfest einen sog. Feldgottesdienst für alle gegeben, erinnerte Kristoffersen vor dem Hintergrund, dass jetzt erstmals seit vielen Jahren wieder beim Knivsbergfest auch ein Gottesdienst stattfand. Die Sportwettkämpfe seien damals erst danach losgegangen. »Als 1926 die Wettkämpfe vorgezogen wurden und parallel begannen, protestierte Propst Bade ganz doll, woraufhin der Gottesdienst auf 9 Uhr vorverlegt wurde. Mit einigen Unterbrechungen war die Kirche in verschiedenen Formen bis 1973 am Knivsbergfest beteiligt. Warum hörte das damals auf? Vielleicht spürten die Verantwortlichen damals, dass eine Andacht oder ein Gottesdienst auf diesem Volks- und Sportfest nichts zu suchen hätte. Neue Formen, so hieß es damals, sollten mit neuen Inhalten gefüllt werden. Da fiel dann eben der Gottesdienst weg.« »Kirche auf dem Knivsberg: mittendrin im Sportgeschehen, im kulturellen Programm, zwischen vielen Kindern und Jugendlichen, inmitten vieler bekannter Gesichter und neuer Bekanntschaften. Als Seniorin freue ich mich riesig, dass das in diesem Jahr so ist und danke dem Jugendverband dafür«, sagte Kristoffersen. Jährlich würden in Nordschleswig über 450 Gottesdienste in deutscher Sprache gehalten. »Doch Kirche ist mehr. Kirche ist die Gemeinschaft aller Getauften. Welche Rolle hat die Kirche in der deutschen Minderheit? Auf welcher Position spielt sie?« »Die Kirche spielt auf allen Positionen der Mannschaft Minderheit«, so Kristoffersen. »Sie spielt mit und will die Minderheit unterstützen, und wenn uns jemand anspielt, sind wir dabei. Über kurz oder lang werden auch die aktuellen Sparzwänge auf deutscher oder dänischer Seite uns als Kirche betreffen. Wir spielen offensiv, beispielsweise wenn es darum geht, sich auf die Seite der Schwachen zu stellen. Und selbstkritisch muss ich rückblickend feststellen, dass wir als Kirche viel zu wenig offensiv und sichtbar spielten, als es um das Projekt Autobahn ging. Wenn ich an Klipleff vorbeifahre, beobachte ich mit Schrecken, wie sich in kürzester Zeit die wunderschöne Natur – Schöpfung Gottes – in eine Mondlandschaft verwandelt. Und das alles, um ein paar Minuten mit dem Auto oder dem Lastwagen schneller zu sein.« Kirche stehe aber auch manchmal am Spielfeldrand und gucke, wie sich die Spieler der Minderheit die Bälle zuschieben. Acht der neun deutschen Pastoren seien aus Deutschland eingewandert. »Manchen Spielzug auf dem Feld können wir als Zugezogene nicht nachvollziehen. Aber jede Mannschaft braucht auch die, die außen stehen und auf das Feld gucken.« »Gott erleben, Glauben, Kirche sein – das ist überall möglich«, schloss Kristoffersen, »auch auf dem Knivsbergfest«. |