Gramm/Gram - 05. November 2009 - von Ulrich Küsel
Region lehnt CO2-Speicherung ab
Resolution verabschiedet / Vorsitzender Jens Andresen: Sie ist deutlich angezeigt gegenüber Kiel und Berlin
Die Regionalversammlung Sønderjylland-Schleswig lehnt eine unterirdische Einlagerung von Kohlendioxid in der Grenzregion ab. Dazu verabschiedete sie gestern per Akklamation in Gramm eine Resolution.
»Die Region Sønderjylland-Schleswig lehnt die Planungen und Durchführung von Maßnahmen zu CCS (Carbon Capture an Storage) in Schleswig-Holstein ab, da solche Maßnahmen für die deutsch-dänische Grenzregion in ihren Auswirkungen nicht überschaubar und somit nicht zu verantworten sind. Es wird eine verstärkte Öffentlichkeitsbeteiligung, auch über die Grenze hinweg, gefordert«, heißt es in der Resolution.
In den sieben Begründungspunkten heißt es u. a., bei dem heutigen Erkenntnisstand gebe es weltweit keine nachweisbar erfolgreiche CCS-Technologie. Eine Einlagerung auf der Grundlage der CCS-Technologie setze eine funktionierende Kette mit den Schritten Abscheidung, Transport und Endlagerung voraus. Das sei bislang noch nicht ausreichend entwickelt.
Die unterschiedlichen Wasseradern und -speicher in Schleswig-Holstein seien Teil des nordeuropäischen Wasserversorgungsnetzes. Derzeit bestünden erhebliche Unsicherheiten über das unterirdische Ausbreitungsverhalten von CO2 und der damit verbundenen Folgen. Die Erhaltung der Lebensgrundlage Wasser sei ein gemeinsames Anliegen.
Die Region habe vielmehr die Chance, nicht nur sich selbst durch Windkraft und Sonne zu 100 Prozent aus regenerativen Energien zu versorgen, sondern auch andere Technologien weiterzuentwickeln und zu exportieren. Bei einer CCS-Nutzung würde auch die Wirtschaft in der Region schwer geschädigt werden. Zudem sei nicht auszuschließen, dass die Region, die auf den Tourismus angewiesen sei, einen erheblichen Imageschaden erleiden werde, der sowohl die deutsche als auch die dänische Seite treffen werde.
Außerdem sei die gesellschaftliche Akzeptanz in der Region nicht herstellbar. Allein die Planungen und Durchführung von seismischen Untersuchungen zur Vorbereitung von CCS habe in breiten Teilen der Bevölkerung zu erheblichen Protesten geführt, die die Regionalversammlung inhaltlich teile.
»Eine Resolution ist deutlich angezeigt gegenüber den Behörden in Berlin«, unterstrich Regionalversammlungsvorsitzender Jens Andresen (Venstre), Branderup. Der Vorsitzende des Ausschusses für Wirtschaft und Umwelt, Thomas Dose (CDU), Rodenäs, hatte zuvor von der »Gefahr« gesprochen, »dass nach der Bundestagswahl das Projekt jetzt wieder aufgenommen wird«.