13. März 2010 - von Sara Kannenberg
Kant’ dir einen Auf dem Weg zur Redaktionskonferenz kam mir Montagabend ein Auto entgegen. Nichts Ungewöhnliches, nicht zwischen Sonderburg und Apenrade. Von Hoyer nach Ottersbüll fährt man gut und gerne mal ein Stündchen, ohne Vehikel oder sonstige Hinweise auf menschliche Errungenschaften der Moderne zu entdecken. Außer, man zählt schmiedeeiserne Koppeltore hinzu, durch die sich in regelmäßigen Abständen verschlammte Schafe quetschen. Nein, das Auto an sich war kurz vor dem Feldstedter Kreisel nichts Ungewöhnliches. Die Befahrung der meinigen Straßenseite indes schon. Ich habe im Prinzip nichts dagegen, wenn man mir entgegenkommt. Aber so nicht. Als der Pkw kurz vor meinem linken Scheinwerfer einscherte und ich meine Augen wieder öffnete, erhaschte ich gerade noch genug, um zu sehen, dass der Fahrer mit Handy am Ohr und Zigarette in der Hand offenbar unbeeindruckt von meinen Todesängsten vondannen zog. Und ich dachte nur: Hej, das kann ich auch. Nur liegt bei mir auch noch ein Chihuahua auf dem Schoß und ein Schreibblock auf dem Beifahrersitz. Nein, das dachte ich natürlich nicht. Ich dachte daran, diesem Vollhorst zu folgen, ihn am nächsten Kreisel linksherum fahrend zu stellen, um ihm mit einer Reportage über Rüpelraser wie ihm zu drohen. Dann jedoch hätte ich keines der raren Krabben/Ei-Smørrebrød-Kompositionen mehr ergattert, die uns vor Radaktionskonferenzen stets vorgesetzt werden. Der frühe Journalist fängt die Krabbe, der späte beißt in Käse und Beef. Und so entschied ich mich für Verzehr am runden Tisch und gegen Verkehr am Kreisel. Und während der Mond immens prall und orange über Apenrade aufging, kam mir Kants kategorischer Imperativ in den Sinn: Handle nach der Maxime, die sich selbst zugleich zum allgemeinen Gesetze machen kann. Doch was, wenn alle auf Verkehrsregeln pfeifen und Regeln brechen würden? Verkehrskampagnen bitten regelmäßig um verantwortliches Fahren. Das setzt jedoch die Einsicht der Verkehrsteilnehmer voraus, eine richtig geeichte innere Einstellung gegenüber dem, was gut und was falsch ist. »Handle so, dass dein Verhalten als allgemeine Gesetzesgrundlage dienen könnte.« Ich fand den Gedanken im warmen Licht des Mondes überlebenswichtiger denn je für eine Gesellschaft. Vor Gericht erhalte ich immer wieder eine apokalyptische Ahnung davon, wie unsere Welt aus den Fugen gerät, wenn die »Richtig-Falsch«-Codierung unserer Verhaltensmuster sich ändert. Kein Geld? Kein Problem. Ich angel mir ein paar Geldbörsen im Supermarkt. Tempolimits? Na, wenns keiner merkt. Als rasende Reporterin ist mein Kantscher Imperativ sicher auch immer wieder verbesserungswürdig. Ein Gedanke daran schadet (mir) aber nie. Bis ich in Apenrade war, fiel mir dann auch auf, dass mein vermeintlicher Mond die untergehende Sonne war. Hatte mich schon gewundert, warum der Brocken heute derart gülden im Westen aufging. Schnee auf den Feldern UND lang am Himmel verweilende Sonne darf einfach nicht sein. Das gehört wirklich verboten. |